Drei Jahre und vier Monate nach ihrem furiosen und epischen "Blood Inside", veröffentlichten Ulver beinahe auf den Tag genau, dieses Jahr am 2. Oktober ihr bisher siebtes Studioalbum mit dem Titel "Shadows of the Sun". Die weiß-rot gefärbte, drogendurchtränkte, hektische Atmosphäre von "Blood Inside" weicht nun einem obskuren, bitteren und, wie die Gruppe selbst verlauten ließ, tragischen Klang, der das gesamte Album durchzieht. In der Tat, "Shadows of the Sun" ist eine schmerzhaft perfekte Manifestation kryptischer Obskurität, deren Tiefe sich kaum erahnen lässt. Garm, Tore und Jørn schaffen es trotzdem, jene Tiefe "akustisch sichtbar" zu machen, wie man das auch immer interpretieren mag.
In meinen Ohren schaffen Ulver erneut, und auf diesem Album vielleicht in ihrer bisher perfektesten Form, die Kreation von Bildern vor dem inneren Auge - Kopfkino, wie manche es nennen. Die Fähigkeit, Klänge in den Gedanken des Hörers zu visualisieren, ihnen Tiefe, Form und Wert zu verleihen ist meines Erachtens eine Gabe, die Musik, egal welcher Herkunft oder Struktur und Farbe, zu etwas vollkommen Selbstständigem macht. Eine Form von Kunst, die weder greifbar noch erklärbar ist, die den Menschen möglicherweise tiefer ertastet, als jede andere und deren Wirkung man nicht mit der bloßen Ausbreitung von Druck- und Dichteschwankungen innerhalb eines variablen Mediums erklären kann. Ebenso verhält es sich mit der Musik von Ulver.
Die Ankündigung eines neuen Albums, Anfang diesen Jahres mit den bloßen Worten "The wolves gather ..." regte allerlei Spekulationen an. Welch kryptisches Konzept steckt dieses mal hinter dem Album, wie wird es dargestellt und vor allem, inwiefern entwickeln Ulver ihren undefnierbaren Stil weiter? Alles Fragen, die man selbst nach Erscheinen des Albums nicht genau beantworten kann. Das Konzept des Albums scheint undefinierbar und universell. Es gibt keine wirklichen thematischen Zusammenhänge zwischen den einzelnen Stücken. Eher scheint es, als behandle jedes Stück die Gedanken eines undefinierten Individuums, das sich und seine Welt hinterfragt, nach Antworten sucht, letztendlich die absolute Erkenntnis über das eigene Selbst erlangt - und an dieser Erkenntnis zerbricht. Eine metaphysische Tragödie? Eindeutig lässt sich das wohl kaum sagen, wodurch enormer Interpretationsfreiraum gegeben ist. Die Umsetzung dieser möglichen Tragödie gestaltet sich dann auch ähnlich undurchschaubar. Melodien werden meist nur angedeutet, bevor sie in anderer Form zwischen Minimalismus und Bombast taumelnd ausbrechen und in Schüben vergossen werden - so paradox es scheint, so wundervoll ist auch die Wirkung dieses Zusammenspiels der einzelnen Instrumente, und den an Intensität kaum zu verkraftenden und schlicht unbeschreiblichen Klang-Effekten - ich denke da bspw. an den markzerreißenden Schrei am Ende von "
Like Music" oder an Garms allumfassende, unbeschreibliche Stimme. Auf "Shadows of the Sun" zeigt Garm, dass er ein schlicht und ergreifend begnadeter Sänger ist, der seiner Stimme so viel Wärme und Emotion verleihen kann, dass die so entstehende Intensität kaum zu ertragen ist. Unfassbar!
Die Instrumentierung reicht hier von fragilen, langsamen Pianolinien, über tiefe, sanfte aber trotzdem bedrohliche Streicherintermezzi des Oslo Session String Quartet bis hin zu dem verstörenden, unwirklichen Klang einer Ätherwellengeige (auch "Theremin" genannt), gespielt von Pamelia Kurstin. Auch Christian Fennesz und Espen Jørgensen wirken mit, sowie der begnadete Trompeter Mathias Eick, der mich in dem äußerst eigenwilligen, jazzorientierten und zutiefst hoffnungslosen Black Sabbath-Cover "
Solitude" mit dem gefühlvollsten Trompetenspiel, das ich jemals gehört habe, zum Weinen brachte. Das erste mal, dass mich eine mir noch unbekannte Musik so bewegen konnte. Ulver hingegen schaffen es nunmehr bereits zum siebten Mal, ihr Verständnis von Musik neu darzustellen, neue Formen und Wege aufzuzeigen, wozu Klänge eigentlich im Stande sind.
Das Album macht mich glücklich, was schwierig zu erklären ist, bei der vermittelten Tiefe und Schwere, sowie der grundsätzlich herrschenden bedrückenden Stimmung. Und doch: Immer wieder wirkt die Musik wie die Wärme im Mutterleib, wie ein schwereloser Traum, gediegen und weit gedehnt über Zeit und Raum. Kolossal, erhaben und voller Schönheit postuliert die Musik so: Ha! Keine Philosophie oder Wissenschaft reicht so weit hinauf, meine Früchte zu greifen .. ihren Geschmack zu formulieren.
In meinen Ohren schaffen Ulver erneut, und auf diesem Album vielleicht in ihrer bisher perfektesten Form, die Kreation von Bildern vor dem inneren Auge - Kopfkino, wie manche es nennen. Die Fähigkeit, Klänge in den Gedanken des Hörers zu visualisieren, ihnen Tiefe, Form und Wert zu verleihen ist meines Erachtens eine Gabe, die Musik, egal welcher Herkunft oder Struktur und Farbe, zu etwas vollkommen Selbstständigem macht. Eine Form von Kunst, die weder greifbar noch erklärbar ist, die den Menschen möglicherweise tiefer ertastet, als jede andere und deren Wirkung man nicht mit der bloßen Ausbreitung von Druck- und Dichteschwankungen innerhalb eines variablen Mediums erklären kann. Ebenso verhält es sich mit der Musik von Ulver.
Die Ankündigung eines neuen Albums, Anfang diesen Jahres mit den bloßen Worten "The wolves gather ..." regte allerlei Spekulationen an. Welch kryptisches Konzept steckt dieses mal hinter dem Album, wie wird es dargestellt und vor allem, inwiefern entwickeln Ulver ihren undefnierbaren Stil weiter? Alles Fragen, die man selbst nach Erscheinen des Albums nicht genau beantworten kann. Das Konzept des Albums scheint undefinierbar und universell. Es gibt keine wirklichen thematischen Zusammenhänge zwischen den einzelnen Stücken. Eher scheint es, als behandle jedes Stück die Gedanken eines undefinierten Individuums, das sich und seine Welt hinterfragt, nach Antworten sucht, letztendlich die absolute Erkenntnis über das eigene Selbst erlangt - und an dieser Erkenntnis zerbricht. Eine metaphysische Tragödie? Eindeutig lässt sich das wohl kaum sagen, wodurch enormer Interpretationsfreiraum gegeben ist. Die Umsetzung dieser möglichen Tragödie gestaltet sich dann auch ähnlich undurchschaubar. Melodien werden meist nur angedeutet, bevor sie in anderer Form zwischen Minimalismus und Bombast taumelnd ausbrechen und in Schüben vergossen werden - so paradox es scheint, so wundervoll ist auch die Wirkung dieses Zusammenspiels der einzelnen Instrumente, und den an Intensität kaum zu verkraftenden und schlicht unbeschreiblichen Klang-Effekten - ich denke da bspw. an den markzerreißenden Schrei am Ende von "
Die Instrumentierung reicht hier von fragilen, langsamen Pianolinien, über tiefe, sanfte aber trotzdem bedrohliche Streicherintermezzi des Oslo Session String Quartet bis hin zu dem verstörenden, unwirklichen Klang einer Ätherwellengeige (auch "Theremin" genannt), gespielt von Pamelia Kurstin. Auch Christian Fennesz und Espen Jørgensen wirken mit, sowie der begnadete Trompeter Mathias Eick, der mich in dem äußerst eigenwilligen, jazzorientierten und zutiefst hoffnungslosen Black Sabbath-Cover "
Das Album macht mich glücklich, was schwierig zu erklären ist, bei der vermittelten Tiefe und Schwere, sowie der grundsätzlich herrschenden bedrückenden Stimmung. Und doch: Immer wieder wirkt die Musik wie die Wärme im Mutterleib, wie ein schwereloser Traum, gediegen und weit gedehnt über Zeit und Raum. Kolossal, erhaben und voller Schönheit postuliert die Musik so: Ha! Keine Philosophie oder Wissenschaft reicht so weit hinauf, meine Früchte zu greifen .. ihren Geschmack zu formulieren.