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  • Escape - Unbreakable

    Nov 20 2014, 21h30

    AOR und Melodic Rock "von der Insel" erfreute sich unter Genreliebhabern in den letzten drei Jahrzehnten sicher nicht allzu geringer Beliebtheit. Zwar heisst es in regelmäßigen Abständen immer wieder, dass klassischer Hardrock in Großbritannien so gut wie tot sei, aber wenn man die musikalische Landschaft mal etwas genauer betrachtet, gab und gibt es doch immer wieder viele vereinzelte kleine und große Perlen zu entdecken.

    Was wäre das Genre z.B. ohne die Klassiker der Engländer Magnum? Oder Dare? FM? Strangeways? Man könnte die Liste fast beliebig lange weiter führen und trotzdem immer wieder etwas Neues finden.

    Und genau an diesem Punkt kommen Escape ins Spiel. Die segeln mit ihrem Debütalbum "Unbreakable" nämlich ziemlich genau in den selben Gewässern wie die von mir oben genannten Gruppen.

    Speziell von den Genregöttern FM und den Strangeways scheinen sich die Herren eine ganze Menge abgeschnitten zu haben. Die Stimmfarbe von Frontmann Stevie klingt wie eine Mixtur aus Terry Brock und Steve Overland, die majestätische Tastenarbeit von Keyboarder Roland Moog (Kein Scheiss, der heisst wirklich so!) ist absolut erstklassig und auch die Drums und die Gitarrenarbeit lassen absolut keine Wünsche offen. Hier sind absolute Profis am Werk die in der Vergangenheit unter anderem bereits mit Magnum Sänger Bob Catley musiziert haben.

    Der Longplayer startet mit der hymnischen Upbeat – Nummer „Still Alive“, deren dominante Keyboards in den nächsten knapp 50 Minuten absolut charakteristisch für das Album sein werden. Der erste richtige Höhepunkt - und für mich im Grunde genommen auch der wahre Albumopener - folgt gleich darauf mit dem Titelsong „Unbreakable“. Was die Jungs in dem Song abziehen ist britischer AOR at its Best! Vielleicht geht es nur mir so, aber ich hör hier sogar deutliche Parallelen zu FM’s „That Girl“ vom 1986er Klassiker „Indiscreet“ raus.

    Weitere Highlights gibt es mit dem beschwingten „A Night To Remember“ , der an Tyketto erinnernden Nummer „Moment In Time“ und dem Rocker „Rescue Me“, der vor allem durch die geile Gitarrenarbeit punkten kann.

    Fazit:

    Freunde des tief in den Achtziger Jahren verwurzelten AOR made in the UK kommen an Escape nicht so einfach vorbei. Wenn die Jungs beim nächsten Album vielleicht sogar noch ein klitzekleines bisschen eigenständiger zur Sache gehen, erwarten uns von Escape in den nächsten paar Jahren noch einige große Dinge!
  • Charm City Devils - Sins

    Nov 20 2014, 9h20

    „Let's Rock-N-Roll“, das war 2009 der Titel des Debütalbums der US-Amerikaner Charm City Devils. Und auch auf ihrem diesjährigen zweitem Werk "Sins" hat diese Devise mehr denn je ihre Gültigkeit.

    Die fünf Musiker aus Baltimore, Maryland wurden vor drei Jahren - damals noch namenlos - vom renomierten Rocklabel Eleven Seven Music unter Vertrag genommen und verdanken ihren jetzigen Namen niemand geringeren als Nikki Sixx, seines Zeichens Mötley Crüe Bassist und Eleven Seven Chairman.

    Viele Vorschusslorbeeren also, aber werden die Charm City Devils selbigen auch gerecht? Diese Frage kann ich nur mit einem klaren "Ja" beantworten.

    Stilistisch zocken die Jungs einen launigen Mix aus eingängigem angebluesten Hardrock wie ihn z.B. Buckcherry schon seit vielen Jahren pflegen und „modernen“ Hardrock der Marke Alter Bridge /Shinedown.

    Bereits der Albumopener „Spite“ drückt das Gaspedal voll durch. Hier werden dem Hörer ohne große musikalische Umwege fette Gitarren, ein druckvoller Drumsound und ein eingängiger Chorus serviert. Und das war erst die Vorspeise! „Unstoppable“ setzt locker direkt nochmal einen oben drauf, ein Rockdiscohit allererster Kajüte!

    Der dritte Song auf „Sins“ sticht für mich besonders hervor. Denn hierbei handelt es sich um „Man Of Constant Sorrow“, ein fast hundertjähriges Ur-amerkanisches Traditional, dass wohl 1961 seine größte Berühmheit durch eine Bob Dylan - Interpretation erringen konnte. Manche von euch haben das Stück vielleicht auch vor einigen Jahren im George Clooney Film „O Brother, Where Art Thou“ zu Gehör bekommen.

    Den Jungs gelingt es spielend dem Lied ihren eigenen Stempel aufzudrücken und Sänger John Allen klingt hier stimmlich teilweise sogar ein bisschen wie eine Mischung aus Jerry Cantrell (Alice in Chains) und Scott Weiland (Stone Temple Pilots).

    Ein weiteres Highlight ist „Devil Is A Woman“, ein lässiger Southern Rocker bei dem man sich stellenweise an die neueren Werke von Kid Rock und Lynyrd Skynyrd erinnert fühlt.

    Nach zehn Songs die sich größtenteils im Mid - und Uptempo Bereich bewegt haben, gibt es ganz zum Schluss mit „All You'll Ever Need“ noch eine gelungene Ballade die ich mir locker in der Heavy Rotation diverser Radiostationen vorstellen kann - falls die zur Abwechslung mal was anderes als Lady Gaga, Kesha und Konsorten spielen würden...

    Fazit:

    Mit den Charm City Devils wird in Zukunft zu rechnen sein. Wer auf schnörkellosen modernen Hardrock steht, sollte in die Band unbedingt mal reinschnuppern.
  • Dead City Ruins - Midnight Killer

    Nov 20 2014, 9h19

    Australien war und ist nicht erst seit gestern stets Garant für guten, ehrlichen handgemachten Rock. Die Rocker wachsen dort also sprichwörtlich quasi schon fast auf den Bäumen. Im Falle der Dead City Ruins lief es allerdings ein wenig anders als üblich. Die fünf Jungs aus Melbourne haben sich nämlich im Jahr 2007 auf dem „alten Kontinent“ in London gegründet, wo sie sich dann auch erstmal für die nächsten drei Jahre ordentlich den Arsch in diversen Klubs abgespielt haben und zwischendurch die EP „Lost In London“ aufnahmen.

    2010 kehrten sie wieder zurück in ihre alte Heimat um eben genau dort ihr Debüt „Midnight Killer“ einzuspielen. Man sollte jetzt allerdings nicht den Fehler machen und denken „Ok, sie sind Aussies, sie rocken, sie klingen sicher genauso wie AC/DC und Rose Tattoo!“ – mitnichten. Was man zu hören bekommt ist im allerbesten Sinne dreckig-roher Schweinerock. Stellt euch vor Guns N‘ Roses hätten zu Zeiten ihres Debüts heimlich zusammen mit Glenn Danzig und den Poor Boys einen durchgezogen und wären dann direkt für eine spontane Bandsession in ein Aufnahmestudio gepilgert („Where You Gonna Run“) . Der Gesang von Vocalist Jake Wiffen lässt sich wohl auch am ehesten als Mischung aus Glenn Danzig, Axl Rose und James Hetfield beschreiben.

    „Damn My Eyes“ ist ein eingängiger Straight-Into-Your-Face Rocker , inklusive geilem Riffing, wummernden Bass und fettem Soli. Der Titeltrack „Midnight Killer” ist nicht weniger mitreissend, auch hier besteht akute Fußmitwipp – Gefahr.

    Der interessanteste und gleichzeitig auch längste Song auf dem Longplayer ist das fast siebenminütige „Blues“. Langsam und lässig baut sich hier – unterstützt durch dem ruhigen, aber unterschwellig auch irgendwie bedrohlichen Gesang Jake Wiffen’s - eine angespannte Atmosphäre auf, die dann zur Mitte des Songs in einem Schrei plus Riffgewitter gipfelt.

    Die Dead City Ruins haben mit „Midnight Killer“ ein ziemlich heisses Eisen im Feuer. Wer auf 70’s und 80’s beeinflusstem Hardrock steht und mal wieder was Neues und erfrischend Unpoliertes in seinen CD Player schieben möchte, kann mit ihren Debüt nichts verkehrt machen.
  • High Road Easy - Drive

    Nov 20 2014, 9h19

    High Road Easy sind eine Zwei Mann Band aus Karlsruhe die mit „Drive“ dieser Tage ihren bereits zweiten Longplayer veröffentlichen. Sänger Jan Knopf und Sven Horlemann, Gitarrist, Bassist und Keyboarder in Personalunion und ausserdem zuständig für die Songarrangements und Teilen des Songwritings haben innerhalb eines 15-monatigen Aufnahmeprozesses ein richtig starkes Stück Melodic Rock produziert. Hilfe bekamen sie in dieser Zeit unter anderem vom Musicalkomponisten Stefan Wurz am Klavier.

    Soundtechnisch braucht sich ihre selbstfinanzierte Eigenproduktion keineswegs zu verstecken. Alle Instrumente auf „Drive“ klingen kraftvoll, sehr differenziert und zu wirklich keiner Sekunde in irgendeiner Art und Weise „billig“. Ich habe ihr 2009er Debüt „Hotter Than A Thousand Suns“ leider verpasst, aber wenn die Mucke auf „Drive“ ein Qualitätsindikator ist, sollte ich das wohl dringendst nachholen.

    Geboten bekommt man einen Mix aus rockigem Melodic Rock, hochmelodiösen AOR und saulässiger Westcoast – Mucke.

    Der Albumeinstieg „Fire In The Hole“ erinnert direkt an große musikalische Vorbilder wie Journey und kann gegen Ende ausserdem noch mit einer spontanen, sehr rockigen Gitarreneinlage überraschen.

    „Loving You“ erzeugt durch sein durchgängiges Grundriff Southern Rock Stimmung, während in der Ballade „Emily“ Toto meets Marillion Feeling aufkommt.

    „Fly From Here“ ist eine leicht melancholische Nummer, die vor allem durch ihren extrem eingängigen Chorus punkten kann. Zu Songs wie „Love Lies Bleeding“ und „Setting Our Sights“ möchte man im Sommer bei strahlendem Sonnenschein am liebsten mit heruntergekurbelten Fenstern durch die Gegend cruisen und auf „Mysterious“ schwingen die Jungs nochmal die Journey – und Foreigner Keule.

    Bisher war ich von deutschem Melodic Rock nie sonderlich begeistert, aber High Road Easy haben mit „Drive“ auf der ganzen Linie hochklassige Überzeugungsarbeit geleistet!

    Anspieltipps: Fire In The Hole, Mysterious, Emily, Fly From Here
  • Holy Dragons - Zerstörer

    Nov 20 2014, 9h18

    Ab und zu wird man auch nach über zwanzig Jahren, in der man diese Musik nun schon hört, doch noch überrascht. Wer würde z.B. die Republik Kasachstan mit Heavy Metal in Verbindung bringen? Im Falle der Holy Dragons sprechen wir hier allerdings von einer Band die es bereits seit über zwanzig Jahren gibt.

    Nach diversen eigenproduzierten EP’s und Alben und einigen Umbesetzungen – Frontmann Ian Breeg ist bereits der sechste Sänger in der Band – nahm sich nun in diesem Jahr das kleine zypriotische Heavy Metal Label Pitch Black Records der Band an.

    Musikalisch orientiert sich das Songmaterial auf „Zerstörer“ schwer an den Achtziger Jahren. Stellt euch eine Mischung aus Omen, Judas Priest und teutonischen Stahl wie Grave Digger vor, und schon habt ihr den Sound der Jungs ungefähr im Kopf.

    Instrumental ist die Mucke sehr sauber gespielt, Ian Breeg’s Gesang ist als extrem hoch zu bezeichnen und wird auch sicherlich nicht jedermanns Geschmacknerv treffen. Leider schafft es die Band nicht über die volle Spieldauer , immerhin 70 Minuten, die Spannung aufrecht zu erhalten. Vieles klingt auf die Dauer zu austauschbar und obwohl es hier an guten Riffs nicht mangelt, vermiss ich einfach ein wenig an Abwechslung. Auch die Tatsache das die Songs im Schnitt alle zwei bis drei Minuten zu lang sind, macht es für mich nicht leichter.

    Immerhin ist produktionstechnisch alles im grünen Bereich und Fans von undergroundigen True Metal könnten hier vielleicht doch das ein oder andere Ohr riskieren.
  • Sunset Boulevard - Hungry Hearts

    Nov 20 2014, 9h18

    Die Internet-Plattform Jamendo erfreut sich seit einigen Jahren im musikalischen Underground wachsender Beliebtheit. Bands und Künstler ohne Plattenvertrag können dort ihre Musik in Form von herunterladbaren MP3 Dateien einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen und auf diesem Wege vereinzelte Songs oder sogar Alben unter die Leute bringen.

    Seit dem Start von Jamendo im Jahr 2009 ist sowohl die Zahl der Nutzer als auch die der verfügbaren Alben kontinuierlich angestiegen. Inzwischen hat Jamendo nach eigenen Angaben über 800.000 Nutzer, die auf ein Repertoire von mehr als 35.000 Alben von über 19.000 Musikern zugreifen können.

    Natürlich gibt es auf der Seite auch jede Menge „Rock Garage“ – kompatible Mucke und eine dieser Bands die ich euch deshalb heute vorstellen möchte sind Sunset Boulevard.

    Die beiden Finnen Juha Vornanen und Simo Saini musizieren bereits seit den späten Neunziger Jahren miteinander und frönen dabei unüberhörbar dem typischen Scandi AOR Sound der 80iger, also quasi irgendwas in der Schnittmenge zwischen Treat, Fate, Dalton und all den anderen unzähligen musikalischen Vorbildern aus dieser großartigen skandinavischen Rockära.

    Instrumental teilen die Jungs einen Großteil der Arbeit unter sich auf. Juha zeichnet sich verantwortlich für den Gesang, Gitarre und das Schlagzeug (wobei es sich bei letzterem wohl eher um einen Drumcomputer handeln sollte), Simo kümmert sich um den Bass, die Keyboards und einige Backgroundvocals.

    Die beiden erfinden das Rad auf „Hungry Hearts“ sicherlich nicht neu, aber wer ein Herz für den Underground hat, AOR und Melodic Rock liebt und diese kleine sympathische Hobbyband – denn als genau das sehen sich Sunset Boulevard selber – gerne unterstützen möchte, surfe einfach mal auf ihre Jamendo-Seite und lade sich dort ihr Album vollkommen legal und kostenlos herunter. Ausserdem gibt es noch die Möglichkeit einer kleinen freiwilligen finanziellen Spende. Verdient hätten die Jungs es allemal.
  • Sacred Blood - Alexandros

    Nov 19 2014, 20h02

    Vertonte „Geschichtsstunden“ sind im Metal ja nun nicht wirklich eine Seltenheit. Iced Earth befassten sich ausgiebig mit der Schlacht um Gettysburg, Manowar hatten schon immer einen ausgesprochenen Hang zu den Göttern der nordischen Mythologie und die alten Recken von Running Wild liebten auf dieser Welt nichts so sehr, wie über fiktive und ehemals real existierende Piraten zu singen.

    Und auch die griechischen Power Metaller von Sacred Blood sind in diesem Metier keine Neulinge. Auf ihrem 2008 erschienenem Debüt „The Battle Of Thermopylae: The Chronicle“ musizierten sie bereits über die klassische hellenische Geschichte um den Spartanerkönig Leonidas und dessen Widerstandskampf gegen das persische Reich.

    In diesem Jahr erscheint mit „Alexandros“ ihr inzwischen zweiter Longplayer. Wiederum ein Konzeptalbum und diesmal geht es um niemand geringerem als Alexander, den Großen.

    Der Sound der vier Griechenmetaller orientiert sich offensichtlich an Vorbildern wie Virgin Steele, aber auch ältere Manowar und eine Prise Iced Earth sind im Klangbild zu entdecken.Letzteres ist vor allem am Gesang von Epeios Focaeus festzumachen. Die Stimmfarbe des Mannes erinnert nicht gerade selten an Matt Barlow.

    Das Album startet mit einem sehr atmosphärischen, von Dudelsäcken begleiteten gesprochen Intro und gipfelt mit „The Bold Prince of Macedonia“ in einen feinen Midtempostampfer. Üppig instrumentiert, mit viel Pathos, Doublebass-Gewitter und sehr eingängig, so kann es gerne weitergehen.

    Ähnlich episches servieren uns die Jungs mit „The Battle of the Granicus (Persian on Throes)”. Das durchgängige Grundriff der Nummer erinnert an beste Running Wild – Zeiten, gefolgt vom nächsten Zwischenspiel „Phalanx Invicta“ das nach ruhigem Beginn mit griechisch gesprochenen Kampfgeschrei aufwartet und zu „Marching To War“ auffordert.

    Danach gibt es mit „Golden Shields to the Sky“ ein weiteres kleines Zwischenintro das vor allem instrumental Paralellen zu Filmen wie „Braveheart“ und „Gladiator“ aufweist.

    Insgesamt fällt über die komplette Spielzeit von „Alexandro“ auf, wieviel Liebe in diesem Longplayer gesteckt wurde. Epischer hymenhafter Powermetal wechselt sich über die komplette Laufzeit ab mit folkloristischen Elementen und Fanfaren („Before the Gate of Ishtar“) und Unmengen an im Metal eher unüblichen Instrumenten(Dudelsäcke, Geigen etc.)

    Mein einziger kleiner Kritikpunkt sind die etwas zu drucklos abgestimmten Gitarren. Da hätte ich beim nächsten Album der Jungs gerne noch etwas mehr „Wums“ dahinter.

    Sacred Blood haben das Zeug dazu im Konzert der Großen mitzuspielen. Ein durch und durch gelungenes Stück Schwermetall.
  • Helloween - Straight Out Of Hell

    Nov 19 2014, 20h01

    Kinder, wie die Zeit vergeht. HELLOWEEN gibt es inzwischen fast 30 Jahre und im Verlaufe ihrer Karriere gab es so einige Ups und Downs zu verzeichnen. Der kommerzielle Höhenflug in den 80ern mit den Keepers Alben, Probleme mit der Plattenfirma, kreative Differenzen wegen ihrer musikalischen Ausrichtung, der Abgang von Michael Kiske, das fulminante Comeback mit „Master Of The Rings“ und der gleichzeitige Einstand von Andi Deris.

    Dann einige Jahre später erneuter Krach zwischen Weikath und Grapow/Kusch weil dem Bandpapa „The Dark Ride“ zu düster und trostlos gewesen ist, erneute Bandumbesetzungen, bis hin zu den letzten, wirklich bockstarken Outputs „Gambling With The Devil“ und „Seven Sinners“ war wirklich alles dabei. Eins vorweg: ihr neuer Longplayer „Straight Out Of Hell“ schafft es nahtlos qualitätstechnisch an ihre letzten Werke anzuknüpfen.

    Der Albumopener „Nabatea“ ist ein sieben Minuten langer, äusserst abwechslungsreicher Track, der sich mit der Geschichte der ersten geschichtlich dokumentiertenDemokratie im Nahen Osten befasst. Alle Trademarks die Helloween groß gemacht haben, finden sich hier wieder. Aberwitzige Soli, ein hymnischer Chorus und diese ganz spezielle Form von positiver Energie, wie man sie fast nur von HELLOWEEN kennt. Hätte sich auch bestens auf „The Time Of The Oath“ gemacht.

    Ein weiteres Highlight ist die Weikath – Nummer „Burning Sun“. Superschnell und voll auf die Zwölf fräst sich die Nummer ohne Umwege direkt in die Hörmuscheln. Auf der Deris Komposition „Waiting For The Thunder“, ein starker melodischer Hardrocker, kommt bisweilen altes PINK CREAM 69 Feeling auf und mit „Hold Me In Your Arms“ gibt es eine schön ruhige Ballade in der Tradition von Songs der Marke „Middle Of A Heartbeat“ und „Forever and One“

    Im Titeltrack „Straight Out Of Hell“ regiert dann wieder der pure Metal. Ein nach vorne gehender Mitsingrocker par Excellance! Pommesgabel -und Mitbangfaktor inklusive.

    Auch das restliche Songmaterial auf „Straight Out Of Hell“ überzeugt komplett. Das Ding ist ein absolutes Pflichtalbum für Fans und für diejenigen die es vielleicht noch werden wollen. Welcome back HELLOWEEN, starkes Ding!
  • Jorn - Symphonic

    Nov 19 2014, 20h00

    Nicht schon wieder ein Best Of Album! Ein Gedankengang der einem beim inzwischen dritten Greatest Hits Album von Jorn nur allzuleicht über die Lippen gleiten kann.

    Allerdings belässt es unser aller Sangesgott dieses Mal nicht bei einer stinknormalen Compilation seiner bekanntesten Songs. Mit Hilfe von Lasse Jensen, seines Zeichens zuständig für ein komplettes Orchester, erstrahlen 14 ganz persönliche Favoriten des Herrn Lande im vollkommen neuen symphonischen Glanz.

    Auffallend dabei ist, daß es gleich ganze sechs Songs vom letzten Studioalbum „Bring Heavy Rock To The Land“ auf „Symphonic“ geschafft haben.

    Allen voran „I Came To Rock“, welches mit einem majestätischen Orchesterintro der Marke „Lingua Mortis“ (dem Classic meets Metal – Projekt der Ruhrpottmetaller RAGE) ins Album startet. Die Instrumentierung des Songs ist auf orchestraler Ebene dabei zum Glück nicht zu dick aufgetragen. Viel mehr hat man das Gefühl, dass der Song durch die neuen Arrangements im Vergleich zum Original eher an Dramatik dazu gewonnen hat und auch die Gitarren braten dieses Mal einen Tacken härter und druckvoller durch die Boxen.

    Den gleichen Eindruck erhält man, wenn man sich „Burn Your Flame“, „The World I See“ und „Man Of The Dark anhört. Der Sound passt einfach wie Arsch auf Eimer, als ob es die Stücke niemals in anderen Variationen als diese gegeben hätte.

    Etwas überraschend hat es auch eine Neuinterpretation „Time To Be King“ auf den Longplayer geschafft. Im Original immerhin von MASTERPLAN

    Als kleines „Goodie“ und Huldigung an einem der größten Metalsänger aller Zeiten, gibt es darüber hinaus noch zwei Cover von “Rock And Roll Children” und Black Sabbath‘s „The Mob Rules“. Ich bin mir sicher, wenn Dio diese Versionen seiner Klassiker noch hören könnte, er wäre verdammt stolz auf unserem norwegischen Stimmwunder.

    Schon klar, auf „Symphonic“ gibt es keine neuen Songs zu hören, aber wer ein offenes Ohr für orchestrale Momente im Metal hat und Jorn Lande sowieso klasse findet (der Rezensent dieser Zeilen würde sich sogar „Jorn Lande sings the Telephone Book“ kaufen...), macht hier nicht viel verkehrt.
  • Snakecharmer - S/T

    Nov 19 2014, 20h00

    Da haben sich Frontiers Records ja direkt zum Jahresbeginn einen ganz dicken Fisch geangelt. Bei SNAKECHARMER handelt es sich nämlich in der Tat um ein ausgesprochenes All-Star-Projekt made in the U.K.

    Da hätten wir zum einen mit Mick Moody und Neil Murray gleich zwei ehemalige WHITESNAKE Recken, die mit ihrem Spiel bereits die perfekte Rhymthusgruppe für Albenklassiker der Marke „Saints And Sinners“ und „Ready An‘ Willing“ abgegeben haben und besonders im Falle von Moody auch songwriting-technisch einiges auf dem Kasten haben. Der gute Mann hat an Krachern wie „Here I Go Again“, „Fool For Your Loving“, und „Ain’t No Love In The Heart Of the City“ mitgeschrieben...die Liste lässt sich beliebig fortführen...

    Hinzu kommen noch so illustre Namen wie Lauri Wisefield (Gitarrist bei WISHBONE ASH), Tastenzauberer Adam Wakeman, der unter anderem für den ‚Prince Of Darkness‘ himself OZZY OSBOURNE tätig gewesen ist, Harry James (am Schlagzeug für THUNDER und MAGNUM) und last, but not least Chris Ousey, der den Genrekennern unter euch besonders als Leadsänger der fantastischen AOR Institution HEARTLAND ein Begriff sein sollte.

    Musikalisch serviert uns die „Supergroup“ (ja, die Bezeichnung ist inzwischen abgedroschen ohne Ende und tausendmale benutzt, aber sie passt hier einfach wie die Faust aufs Auge) bodenständigen, bluesigen Hardrock, wie er überwiegend in den 70er und 80er Jahren gespielt wurde. Man hört zum Beispiel in vielen Songs auf Anhieb die Paralellen zu Combos wie BAD COMPANY („A Little Rock & Roll“), frühen WHITESNAKE („Nothing To Lose“ und „My Angel“) oder FREE heraus.

    Mit „Falling Leaves“ gibt es ausserdem noch eine sehr gefühlvolle Ballade, wie sie heute eigentlich kaum noch geschrieben wird. Zentimeterdicke Atmosphäre inklusive Gänsehaut garantiert.

    Auch instrumental ist das Album eine reine Freude. Chris Ousey singt über die komplette knappe Stunde wie ein junger Gott, Moody und Wisefield setzen starke Akzente mit ihrem rockigen, aber immer sehr stillvollen Gitarrenspiel und Wakeman erfreut mit seinem feinen Einlagen an der Hammond Orgel.

    Für Freunde der „alten Schule“ ein mehr als zu empfehlendes Album! Und das beste ist, dass Snakecharmer ab Februar auch noch auf eine kleine Welttourne gehen wollen. Hoffen wir mal das da auch ein paar Gigs in Good Old Germany bei rumkommen werden!

    Anspieltipps: „Accident Prone“, „Falling Leaves“, „Nothing To Lose”