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  • Mogwai mit The Twilight Sad im Backstage Werk

    Nov 13 2008, 22h24

    Wieder mal ein Konzert, dass so großartig war, dass ich hier darüber berichten muss:

    Die Vorband The Twilight Sad fand ich live allerdings eher enttäuschend, obwohl ich ihr Album eigentlich ziemlich okay finde. Vor allem den Sänger fand ich schlecht, nicht nur wegen seiner Affektiertheit, sondern auch wegen seiner offenbaren Schwierigkeiten mit Intonation und Timing. Und der Drummer konnte eigentlich nur dreschen und sollte sich mal eine Scheibe von Martin Bullochs selbst bei größter Power entspanntem Spiel abschneiden.

    JayJayD's Verschwörungstheorie #21: kann es sein, dass die Veranstalter den Sound bei Vorbands absichtlich schlecht machen, damit man dann vom guten Sound beim Hauptact umso beeindruckter ist? Der Sound war bei Mogwai dann nämlich hervorragend: ausgewogen und druckvoll und bei aller Lautstärke immer klar. So übel wie es Mogwai immer nachgesagt wird fand ich die Lautstärke übrigens gar nicht.

    Auch die Stückeauswahl war klasse: angefangen vom perfekten Opener Yes! I Am A Long Way From Home mit Dominic und John an zwei Bässen, bis zu Batcat als letzter Zugabe. Besonders schön fand ich, dass sie neben den besten Stücken vom neuen Album The Hawk is Howling auch viel sehr altes Material gespielt haben: neben dem unvermeidlichen Helicon 1 auch ithica 27 o 9 und drei von Young Team: den erwähnten Opener, Like Herod als hammermäßige erste Zugabe und das tolle Summer. Gefehlt hat mir eigentlich nur Xmas Steps.

    Einer meiner Lieblingsmomente war auch, als während einer leisen Passage in Like Herod ein paar Typen vorne links zu quatschen anfingen, und Barry ihnen einen bitterbösen Blick zuwarf und sie dann solange anstarrte (und dabei seelenruhig weiterspielte), bis sie wieder leise waren. Now that's what I call cool!

    Einziger Kritikpunkt neben fehlenden Lieblingsstücken: dass die Keyboards so weit hinten standen, dass man kaum sehen konnte, was da vor sich ging.

    Fazit: ein Superkonzert, dass jeden Cent des doch recht happigen Eintrittspreises wert war! Nur das ohnehin überteuerte Merchandise (20 Euro für ein T-Shirt - habt Ihr's noch??) war dann nicht mehr drin.
  • Faun und Adas im SZelt - Jubel und ein mächtig Handgeklapper für zwei tolle Münchner…

    Jul 21 2008, 19h18

    Mit Mittelalter-Musik verbinden die meisten das typische Mittelalter-Geholze mit zehn Rahmentrommeln und fünfundzwanzig Dudelsäcken, wie es von zahllosen Corvus Corax-Klonen gespielt wird - obendrein womöglich noch mit Metal-Gitarren verstärkt wie bei In Extremo und Consorten. Faun sind von daher für mich eigentlich gar keine Mittelalter-Band.
    Mit elektronischen Rhythmen, vielerlei akustischen Instrumenten und dem wunderschönen zweistimmigen Gesang der beiden Sängerinnen Fiona und Sandra schaffen sie besonders live intensiv athmosphärische Klangräume, die sie eher als die legitimen deutschen Erben von Dead Can Dance erscheinen lassen. Beim Gratiskonzert im SZelt bei Tollwood boten sie eine nahezu perfekte Show, nur durch gelegentliche Aussetzer der linken Box gestört.

    Davor spielten Adas lieblichen Folk aus aller Herren Länder, der auch nur entfernt mit Mittelalter zu tun hat.
  • The Drift und Gordon's Tsunami Week im Sunny Red

    Mai 14 2008, 20h01

    Endlich mal ein Konzert, wo auch das Vorprogramm taugt. gordon's tsunami week könnten so etwas wie die Münchner God Is An Astronaut werden: nicht überaus origineller, aber kompetent gemachter und mitreißender Post-Rock.

    The Drift sind wirklich die beste Entdeckung, die ich in letzter Zeit gemacht habe, und eine glückliche Fügung wollte es, dass sie gleich nachdem ich sie kennen gelernt habe, dieses Konzert im Sunny Red spielten. Mit ihrer ziemlich einmaligen Mischung aus groovigen Rhythmen, Gitarren-Klangmalereien zwischen Post-Rock und Dub, Kontrabass und jazzigen Trompetenlinien füllen sie eine Lücke im Kontinuum der Musik, von der man vorher gar nicht wusste, dass sie da war. Leider war ihr Set sehr kurz (kaum 45 Minuten), was aber auch verständlich ist, da sie für deutlich weniger als zwanzig Zuhörer spielten, von denen die meisten Mitglieder und Freunde der Vorband waren. Zugaben scheinen überhaupt aus der Mode zu kommen, genau wie Sets von mehr als 60 min Länge. Aber es ist immer schön, einen Bassisten zu hören, der seinen Charles Mingus kennt.
  • Blind Date mit Sax und Piano

    Abr 28 2008, 20h30

    Eine nette Idee ist die Konzertreihe Inkognito im Café Gramsci in Dachau. Die funktioniert wie ein Sneak Preview im Kino: man geht hin, ohne zu wissen wer spielt, nur die grobe Musikrichtung wird im Programm angekündigt. So hieß es am letzten Freitag nur "jazzig mit Saxophon + X". Dahinter verbarg sich ein wunderbar intimes Duo-Konzert mit Michael Hornstein und Walter Lang am Piano. Die beiden spielten im ersten Set unbekanntere Stücke, im zweiten Standardballaden wie "Round about Midnight" oder "Besame Mucho". Obwohl ich mir manchmal gewünscht hätte, dass sie etwas mehr Gas geben, ein durchweg gelungener Abend. Die Reihe werde ich sicher noch öfter besuchen, wenn sie im Herbst weitergeht.
  • This Will Destroy You und Mischief Brew: mix and don't match

    Abr 21 2008, 19h05

    Wer immer das Programm für diesen Abend zusammengestellt hat, muss wohl mindestens besoffen gewesen sein. Dem filigranen, atmosphärischen Post-Rock von This Will Destroy You den rotzig-derben Folk Punk von Mischief Brew voranzustellen, war - gelinde gesagt - schon ein wenig gewagt. Zu den letzteren äußere ich mich lieber nicht, das ist nicht meine Welt.
    Leider war bei This Will Destroy You der Sound ausgesprochen schlecht: für den winzigen Raum zu laut, dazu undifferenziert und breiig. Die wunderbaren Gitarrenlinien verloren sich daher häufig im Krach, und das Schlagzeug war viel zu sehr in den Vordergrund gemischt und dominant. Andererseits hatten die mit deutlich mehr Druck als auf den Alben gespielten Stücke eine tolle hypnotische Qualität, noch gesteigert dadurch, dass sie häufig fliessend ineinander übergingen. So war man nach gefühlten drei Stücken überrascht, dass es plötzlich schon zu Ende sein sollte. Zum Glück gaben sie eine ausgiebige Zugabe und endeten mit dem genialen There Are Some Remedies Worse Than the Disease.
    Alles in allem also dennoch ein gelungenes Konzert, das mich wieder mit mit der Band versöhnt hat, nachdem ich vom langerwarteten ersten Album doch ein wenig enttäuscht war - dieses fällt meinen Meinung nach gegenüber der hervorragenden EP Young Mountain doch stark ab.
  • Panzerballett in der Unterfahrt

    Mar 24 2008, 19h35

    Von dem Konzert von Panzerballett hatte ich mir viel versprochen - die längst überfällige Fusion von Jazz und Metal, das sollte interessant werden. Um so enttäuschender war dann das reale Ereignis.

    Während das Konzept im ersten Set noch interessant und neu war, nutzte sich die Novität bereits ab der Mitte des zweiten Sets (von dreien) ab und es wurde langweilig. Spätestens da zeigte sich, dass diese Musik einen nur zum Staunen bringt (auch wegen der technischen Perfektion, mit der sie vorgetragen wird), aber nicht berührt oder bewegt. Da helfen auch die Jan Zehrfelds Albernheiten und die peinliche Kostümierung nicht.

    Hauptkritikpunkt für mich ist jedoch, dass die behauptete Verbindung der Genres nicht wirklich stattfindet: spielt Zehrfeld oder der Saxophonist ein jazziges Solo, spielt die Band dazu Funkrhythmen. Zu jedem Zeitpunkt gibt es entweder Metalriffs oder Jazzfunk, die Elemente stehen bloss nebeneinander und werden nicht wirklich verbunden.

    Negativ aufgefallen ist mir auch die Auswahl der gecoverten Stücke: aus beiden Quellgenres, Metal wie Jazz, wurden nur die offensichtlichsten Stücke ausgewählt: Smoke on the Water, Thunderstruck, Pink Panther - ich bitte Euch! Und demnächst dann As Time Goes By und Nothing Else Matters?
  • Mono im Feierwerk: Beautiful Noise

    Dez 12 2007, 22h35

    Manchmal muss man etwas erst mit 120 Dezibel durch die Ohren geblasen bekommen, um es zu kapieren - oder vielleicht ist es auch nur, dass man es auch sehen kann. Ich jedenfalls habe erst bei ihrem Konzert im Feierwerk richtig verstanden, was eigentlich das Einzigartige und Tolle an Mono ist, obwohl ich sie schon seit einiger Zeit gerne höre. Hier mein Versuch, diese Erkenntnis zu erklären:
    So wie es David Murray mit dem überblasenen, kreischenden Saxophon des expressionistischen Free Jazz getan hat, haben Mono die Gitarrengewitter des Noise Rock harmonisiert und melodisch gemacht. Um es noch klarer zu machen: während viele Bands Noise plus Melodie spielen, wird bei Mono der Noise selbst zur Melodie, ohne dabei aber seine Wucht zu verlieren. Sehr deutlich wird dies zum Beispiel in Moonlight, so etwa ab Minute 7:30. Daher, und weil sie fast immer echte Harmonien und keine Powerchords spielen, sind sie bei allem Lärm weiter weg vom Metal oder konventionellem Rock als andere Noise-Bands, eher könnte man sich die Musik für Orchester arrangiert vorstellen.
    Am 8.12. haben Mono ihre Kunst in einem fantastischen Auftritt demonstriert, an dem fast alles perfekt war, von der Setlist bis zum Sound, der trotz der infernalischen Lautstärke und des kleinen Raumes unglaublich klar war.
  • Bavarian Open Festival: viel Abwechslung und einige Highlights

    Dez 6 2007, 20h47

    Hier einige Impressionen zum Bavarian Open Festival 2007, willkürlich ausgewählt aus den Acts, die ich gesehen habe.

    Ich mag keine verkleideten Bands, und erst recht mag ich keine frankophilen deutschen Bands. Aber Phonoboy sind trotz alledem eine ziemlich gute Partyband - mehr aber auch nicht.

    G.Rag y Los Hermanos Patchekos waren meine Entdeckung des Abends, die habe ich mir eigentlich nur angehört, weil da ein Freund eines Kollegen mitspielt. Interessante Mischung, Carribean Trash Folk oder so ähnlich nennen sie das, mit Bläsern und Kontrabass, Banjo, twangigen Gitarren und Gesang durch's Megaphon. Calypso, Swing und mal ein skamäßiger Offbeat-Rhythmus - tanzbar und dabei sehr atmosphärisch. Noch besser hätte es nur sein können, wenn man mehr gesehen hätte, aber da fast die ganze elfköpfige Band auf der erhöhten Bühne sitzend spielte, sah man selbst von meiner Position in der zweiten Reihe nicht mehr viel.

    Kamerakino tun so, als wäre es 1981: sie sehen aus und klingen wie eine Band der Neuen Deutschen Welle, kurz bevor diese vom Kommerz gekillt wurde. Und sie haben eine richtig gute Bassistin, die aber trotz der wiederholten Aufforderung aus der Menge kein Solo spielen wollte.

    Holy Fuck waren der Hauptgrund für mich, das Festival zu besuchen, und haben alle positiven Erwartungen zu 100% erfüllt. Ein toller Auftritt: wild, ungemein tanzbar, überschäumend vor interessanten Sounds, die die beiden Frontleute aus einem Riesenhaufen garantiert nicht-digitalen Elektrogeräts zaubern. Genial!

    Band of Horses waren als Headliner und die "neuen Arcade Fire" angekündigt. Ausgesehen haben sie eher wie ein Haufen Althippies und Rednecks, die eine Eagles-Coverband gründen wollen. So ähnlich klang es dann auch; der Zwischenrufer, der immer Wind of Change gefordert hat, lag gar nicht so daneben! Und kann mir mal einer erklären, warum man für diese Musik drei Gitarristen braucht, die alle die gleichen Akkorde schrammeln? Kurz gesagt: laaangweilig!

    Vom Tied & Tickled Trio, mein zweiter Hauptgrund für den Festivalbesuch, habe ich leider die Hälfte verpasst, weil im Programm die falsche Anfangszeit stand (grummel!). War aber nicht so schlimm, da sie ohnehin ein ähnliches Set gespielt haben wie neulich in der Roten Sonne. Wäre aber trotzdem schön gewesen, dieses nochmal ganz mit deutlich besserem Sound zu hören. Live wirken die wie auf dem neuen Album Aelita minimalistisch präsentierten Stücke nochmal extra hypnotisch. Trotzdem hoffe ich inständig, dass ich sie irgendwann doch mal mit Bläsern zu hören und sehen bekomme, schließlich ist Observing Systems für mich immer noch eines der allerbesten Alben der letzten Jahre.
  • Gravenhurst im Atomic Café: Qualität statt Quantität

    Nov 30 2007, 20h14

    Nach einem wandelnden Indie-Band-Klischee im Vorprogramm spielten Gravenhurst am Mo., 26. Nov. im Atomic Café ein großartiges, wenn auch leider ausgesprochen kurzes Set. Ganze 11 Songs haben Sie uns gegönnt, davon sechs vom neuen Album The Western Lands - und das Münchner Publikum ließ sie ohne Zugabe abziehen.

    Die Kontraste zwischen ruhigen, melodiösen und lauten Passagen waren live deutlich krasser als auf CD, etwa bei Down River oder Song From Under the Arches, die für mich die Höhepunkte waren. Überhaupt wurde es unerwartet oft richtig schön krachig, trotzdem büßten die Songs wenig von der Klarheit ein, die viel von ihrer Qualität ausmachen.

    Fazit: mit etwas mehr Ausdauer von Seiten der Band und etwas mehr Enthusiasmus von Seiten des Publikums hätte es ein perfektes Konzert sein können, so war es bloß sehr gut. Außerdem schmolle ich, weil mein Liebligssong Animals gefehlt hat.