Fehler im System

RSS
Recomendar

Jun 25 2007, 1h18

Tue 5 Jun – The Used, Funeral for a Friend, Head Automatica

"Bitte, was läuft hier denn schief?" Genau dieser Satz war es, den sich sicher einige an diesem Abend des Öfteren gedacht haben. Dass man zu der christlichen Zeit von 20:30 Uhr vor der Großen Freiheit, abgesehen von ein paar Flyerverteilern, nur ein paar Jungspunde sah, konnte einen zu Recht stutzig machen, schließlich war das Lineup namentlich gut besetzt: Head Automatica, Funeral for a Friend und natürlich The Used. Dazu letztere beiden sogar noch mit brandaktuellen Alben im Gepäck.

Doch siehe da, einiges lief anscheinend wirklich schief - oder ging an vielen einfach kommunikativ vorbei. Nachdem kurz vor neun immer noch kein Ton aus der Halle erklang und irgendwie sich auch keine großen Massen hinein getrauten, durfte man sich nun auch ganz offiziell einen Kopf machen. Rein rechnerisch war es schon gar nicht mehr möglich, dass drei Bands an diesem Band spielen könnten und als danach die ersten Töne erklangen, waren das mit Sicherheit nicht Funeral For A Friend, die den Abend eröffnen sollten. Wo eben jene Band verblieben ist, ist dabei eine genauso ungelöste Frage, wie jene, wo die ganzen Leute waren. In der Freiheit zumindest nicht.

Aber sind wir ehrlich und nennen das Kind beim Namen: verpasst haben sie nicht wirklich etwas! Zwar war es schon einen kleinen Zusatzapplaus wert, dass Daryl Palumbo & Co. endlich einmal den Weg nach Deutschland gefunden haben, nachdem dies zu Glassjaw-Zeiten nie möglich war. Doch Head Automatica wollten zu keiner Sekunde zünden, was nicht nur daran lag, dass der halbe Veranstaltungsort leer war, sondern vielmehr daran, dass das charakteristische der Band nicht rüberkam. Tanzbaren Indie von einer gefühlt drei Meter höhen Bühne und vor zurückhaltendem Publikum zu spielen, welches eh nur auf Bert wartete, ist schon undankbar, aber ist dann die Band selbst noch distanziert und etwas verloren auf der großen Bühne, tut es einem fast schon leid, wie Head Automatica ignoriert wurden. Unter diesem Gesichtspunkt ist es dann auch noch doppelt so hart, wenn man sich eingestehen muss, dass die Musik auf Platte wesentlich vielfältiger, wenn auch weniger rockig, klingt, was zwar live von Vorteil sein kann, aber eben das gewissen Quäntchen missen lässt.

Genau das sollten auch The Used vermissen lassen, auch wenn Frontentertainer Bert McCracken – wie eigentlich immer – außerordentlich gut drauf war. Witzchen hier und da, Interaktion mit dem Publikum. Alles vorhanden. Ebenso das wunderbar angestimmte "Hoppe, hoppe, Reiter", was mit amerikanischem Slang durchaus amüsant klang. Doch irgendwann sollte damit auch einmal Schluss sein, denn spätestens beim dritten Mal hintereinander nutzt sich auch der beste Witz ab. Glücklicherweise etwas weniger verbraucht waren dann die alten Hits aus den Tagen von "The Used" und "In Love And Death", die nicht nur wegen ihrer Bekanntheit und Mitsingtauglichkeit recht unkompliziert ins Ohr gingen, sondern auch weil damals noch geröhrt werden durfte. Problem war nämlich ganz einfach, dass jene ruhigeren Songs und Neuere von "Lies For The Liars" einfach in den leisen Passagen stimmlich überhaupt nicht ankamen. Und zu Recht fragt man sich in solchen Momenten, welchen Job der Mann hinter den Soundreglern macht oder besser hätte machen sollen, damit The Used noch halbwegs glimpflich aus diesem Abend rauskommen könnten. Also irgendwas lief hier wirklich schief.

© written by christoph schwarze / www.christoph-schwarze.com

Comentários

Deixe um comentário. Faça login na Last.fm ou cadastre-se agora (é gratuito).