Fragten am Anfang die
Strokes ziemlich rotzig daher und bekamen heuer die Antwort von
Michael Jacksons Grabräuber.....So sah es
Robert Rotifer in einem musikalischem Rückblick auf das Jahrzehnt, in einer Herbstausgabe von Profil.
....und eine bessere Rahmenhandlung um ein Jahrzehnt zu beschreiben gibt es wohl nicht. Ich habe mir ebenfalls die Mühe gemacht hier ein paar 00er-Listen zum Jahresende zu veröffentlichen und wünsche viel Spass.
Den Anfang macht die "Best of... Albums" Liste mit den Plätzen 25-20:
25.
Muse –
Absolution 2003
2003 was für ein Jahr, viele große Bands der 2000er hatten schon ihre Debütalbum abgeliefert aber jetzt erst begann für viele der große Durchbruch. So auch bei Muse. Ein perfekt zwischen 80er & modernem Indierock ausbalanciertes Album mit keinem einzigen Lückenfüller. Auch die viel zitierte Megalomanie war schon vertreten wie z.b. in Butterflies & hurricanes gut zu hören, aber nahm noch nicht so extreme Ausmaße wie in späteren Alben an. Außerdem hat man mit „thoughts of an dying Atheist“ wohl einen der besten Songtitel anzubieten.
Bester song:
Sing For Absolution
24.
Queens of the Stone Age –
Songs For The Deaf 2002
Zum durchhören vielleicht mit ein paar zu vielen anstrengenden Nummern ausgestattet bietet das 3.Album der Queens of the stone age, trotzdem die größten Songs ihrer Karriere. Neben den 2 großen Breakthrough-Singles (no one knows & go with the flow) zeigen sich vor allem in Songs wie dem Mosquito Song oder durch die erfundenen Radiostationen, die Experimentierfreudigkeit von Josh Homme. Diese Leichtigkeit sollte bald darauf verschwinden nachdem Nick Oliveri ein paar mal zu oft den nackten Kasperl gab und aus der Band flog. Ein weiterer Faktor der dieses Album so groß machte fehlte auf den späteren LPs; Dave Grohl an den Drums(wo er eigentlich hingehört).
Bester Song:
No One Knows
23.
The Vines –
Highly Evovled 2002
Keine andere Band verstand es besser die brachiale Gewalt eines Nirvanasongs mit der Popharmonie der Beatles auf einem Album (manchmal sogar im selben Song wie „1969“) zu verbinden. Ein großartiges Debüt unter der Führung des Australischen Giftzwergs Craig Nicholls, dem nachdem er sämtliche Bandmitglieder entlassen hatte eine Form des Autismus diagnostiziert wurde. Im Video zu highly evolved wird er am Ende vom Blitz erschlagen…nach dem 2.Album war Schluss…fuck the world
Bester Song:
Autumn Shade
22.
Kings of Leon –
Because of the Times 2007
Wer hätte sich gedacht dass ausgerechnet ein paar bärtige Südstaatler (die auch noch alle miteinander verwandt sind) es vom CCR inspiriertem Southern Rock einmal zu einem so perfekt ausbalanciertem Stadionrockalbum (->hier im Gegensatz zu U2 oder Coldplay-Beschreibungen positiv besetzt) wie „Because of the times“ schaffen. Allein der Titel des Debütalbums („Youth & Young Manhood) ließ einem nicht mehr als ein One-Hit-Wonder im Stile der Jets erwarten. Aber so kann man sich irren. Der Opener „Knocked Up“ ist wohl der mutigste den es dieses Jahrzehnt gab. Über 7min. und dann singt Caleb Followill auch noch dass er immer verückt und betrunken ist aber seine Freundin trotzdem sein Baby bekommen will. Im nächsten Album waren dann auch die Texte bereit fürs Stadion „sex on fire“.
Bester Song:
Knocked Up
21.
Black Rebel Motorcycle Club 2002
Das nächste Album in meiner Liste aus dem Jahr 2002,. Auch der Motorcycleclub lieferte ein beeindruckendes Debüt ab. Bis auf die erste Single „whatever happened to my rock’n’roll“ (Die in Zusammenschau etwas zu bemüht rockig daherkommt) wirkt das Album wie aus einem Guss. Eine Wall of Distortion fliegt dem Hörer 57min. lang entgegen. Vom Opener „Love Burns“ bis zur abschließender „Salvation“ zieht einem der Sound in seinen Bann, der sich vor allem an The jesus and mary chain orientiert. Sicher eine der meist unterschätzen Bands dieses Jahrzehnts.
Bester Song:
Love Burns
20.
Dinosaur Jr. –
Beyond 2007
Die 00er Jahre waren vor allem auch ein Jahrzehnt der Reunions. Led Zeppelin, Pixies u.v.m.….Aber nur die Dinosaurs schafften ein Comeback auf allen Ebenen, 2 großartige Alben inklusive. Dank dem 2009 erschienen „Farm“ kann man nicht einmal mehr von einem einmaligem Glücksgriff sprechen. J.Mascis soliert sich auf „Beyond“ zu Höchstformen mit Unterstützung seiner alten Weggefährten Lou Barlow & Murph. Der Sound schafft das unmögliche Kunststück die Lo-Fi Mentalität ins neue Jahrtausend zu transferieren.
Bester Song:
This Is All I Came to Do
16/12/09
19.
The White Stripes –
Elephant 2003
2006, Sommermärchen, wie die Deutschen dass rührselig bezeichnen, obwohl sie nur 3. wurden. Okay, wir waren nicht mal dabei…aber hier soll es ja auch eigentlich nicht um Fußball gehen. Trotzdem erstaunlich, auf einmal singen alle Fußballfans dieser Welt einen Bluesrocksong, mit dem wohl hypnotischsten Bassriff welches die Welt je gehört hat. Und das witzigste daran, die Band weigert sich beharrlich überhaupt einen Bass(isten) zu benützen (der Sound kommt von einer Gitarre mit Effekt). So wurden die White Stripes zum Massenphänomen. Indiegötter waren Jack & Meg White natürlich schon seit spätestens 2003, als Elephant erschien, welches zeigt wie konsequent sich Jack White wirklich am Sound der Vergangenheit orientiert (ein Vorwurf den man wohl so gut wie jeder Band im letzten Jahrzehnt machen könnte, insofern also vernachlässigbar) und trotzdem aktuellen Alternativerock spielt.
Bester Song:
The Hardest Button to Button
18.
The Coral –
Magic and Medicine 2003
Ihre Hitsingle “dreaming of you” hatten sie auf ihrem Debutalbum, aber die wirklich großen Songs kamen dann auf ihrem Zweitling; „talking gypsy market blues“, „Don’t think you’re the first“ und natürlich dass wunderschöne „pass it on“. Nachdem Oasis jetzt Geschichte sind und eigentlich nicht mehr viel zu sagen hatten sind the coral wohl die letzte verbliebene Britpopband im Geiste der Fab Four. Nach dem Experiment „nightfreaks….“ kam noch dass ähnlich großartige „the invisible invasion“ nur um dann mit „roots & echoes“ leider in der Beliebigkeit zu verschwinden. Mal schauen ob da noch etwas kommt, Brüder sind keine in der Band.
Bester Song:
Pass It On
17.
Two Gallants –
Two Gallants 2007
Wieder ein Duo, und wieder hat es sich dem altmodischem Bluesrock verschrieben. Man könnte auch sagen ohne die White Stripes würde es Two Gallants gar nicht geben. Aber während die Streifen sich eher dem Indierock verschrieben haben, bleiben die 2 Gentleman dem Alt.County treu. Songs wie „the deader“ oder „miss meri“ bleiben tief im Amerikanischen Süden haften, werden aber mit einer unglaublichen Dynamik auf einen losgelassen. Eigentlich sind alle ihrer Alben gleich großartig aber auf diesem schafften sie erstmals alle Songs gut ineinander übergehen zu lassen und ihnen auch die richtige Länge zu geben.
Bester Song: „
Despite What You’ve Been Told
16.
Red Hot Chili Peppers –
By the Way 2002
Was man so hört hat John Frusciante die Chili peppers verlassen. Umso größer erscheint dieses Album jetzt. Der Schlussstrich einer Phase der Band, die mit dem Opus Magnum „Californication“ begann und viel zu kurz dauerte; Die Übernahme der Peppers durch Frusciantes unglaubliches Melodieverständnis sollte nur 2 Alben halten. Der Einstieg von „by the Way“ mit dem Titelsong erinnert gemeinsam mit „Can’t Stop“ noch entfernt an die Funk-Vergangenheit der Band doch sonst ist es quasi eine One-Man-show. Natürlich, Flea bleibt der größte Bassist und Kiedis hat eine prägnante Stimme, aber ohne die Gitarrenriffs bzw. Backroundvocals würde nicht viel Musik übrig bleiben. Der letzte Song „Venice Queen“ gibt stilistisch schon einen kleinen Vorgeschmack auf die Album-Tour-de-Force die John Frusciante 2 Jahre später durchziehen wird. Im Jahr 2006 kam dann der Ausverkauf mit dem Größenwahnsinnig überladenen Doppelalbum „Stadium Arcadium“. Unzählige Gitarrenspuren, die Live nicht mehr alleine reproduzierbar waren….. und seine Aushilfe dürfte jetzt der Nachfolger sein.
Bester Song:
Can’t Stop
15.
Calexico –
Feast of Wire 2003
2006 spielten sie Open-Air in Wien (Arena). Ein unglaubliches Konzert wo einfach alles gepasst hat. Iron & Wine (der es knapp nicht hier rein geschafft hat) gab die Vorband und auch dass ist selten in Österreich, eine Vorband die was drauf hat bzw. vom Hauptact überhaupt hierher mitgenommen wird. Aber eigentlich soll es ja um das Album gehen: Feast of Wire ist wohl der Höhepunkt der klassischen Calexico Alben. Angefangen hat alles mit Joey Burns & John Convertino die Giant Sand verließen. Da sie eigentlich die Rythmusgruppe der Band waren wird in den ersten Alben von Calexico auch noch nicht viel gesungen. Aber ob Spaghettiwestern/Alt.Country/Indie/TexMex….alles findet Platz in dieser Band die sich nach einem Grenzort zu Mexiko benannt hat (Californien/Mexiko). Und in Feast of Wire stimmt dann auch das Songwriting: Die erste Hälfte hat unglaubliche Songs zu bieten („Sunken waltz“, „Quattro“, „Black Heart“) und die 2. erinnert sehr an die frühen „Soundtrack“ Alben ist aber vielleicht etwas zu experimentell geraten.
Bester Song:
Sunken Waltz
21/12/09
14.
Radiohead –
In Rainbows 2007
In so einer kleinen Liste kann leider nur Platz für ein Radiohead Album sein. „In Rainbows“ steht meiner Meinung nach am besten für ein perfektes Album. Natürlich, in jeder Liste die was auf sich hält ist „Kid A“ das beste Album. Aber die Wahrheit ist nun mal die, dass ich mich nie in Kid A reinhören konnte. Es fehlte einfach das Konzept dahinter. Das selbe, nur etwas vermindert gilt für „Amnesiac“. „Hail to the Thief“ hatte wahrscheinlich hochgerechnet die meisten großartigen Songs und sicher auch die größte Bandbreite aber im direkten Vergleich besticht „In Rainbows“ vor allem durch seinen roten Faden & Durchörbarkeit. Alles wirkt wie aus einem Guss und die elektronischen Elemente verschmelzen Perfekt mit den Rockelementen. Auf Songs wie „15 steps“ hört man auch sehr deutlich den Einfluss von Thom Yorkes Soloalbum welches 1 Jahr zuvor veröffentlicht worden war.
Bester Song:
Reckoner
13.
Cold War Kids –
Robbers & Cowards 2006
Was für ein Debütalbum!!! Ein Newcomer auf den sich so gut wie jeder einigen konnte. Sogar Leute die nichts mit Folkrock am Hut hatten sangen, dass sie nie wieder einen Drink anrühren werden („we used to Vacation“). Wie spielerisch Nathan Willett & seine Kollegen hier die traurigen, gescheiterten Gestalten im Geiste von Bob Dylan- oder Bruce Springsteen-songs, zu (Anti)-Helden von ganz großen Indiehits machen ist unglaublich. Und dann auch noch dieser Bandname. Leider hielt der Zauber nur 1 Album an. Dem Nachfolger „loyalty to loyalty“ fehlten die guten Songs und die tolle Produktion des Erstlings. Aber trotz allem lebt die Hoffnung für eine erneute Großtat. Leute die den wohl besten Text über Krankenhäuser schreiben und denn dann auch noch mit so einer bezaubernden Musik unterlegen dürfen einfach kein One-album Phänomen bleiben.
„I've got one friend
laying across form me
I did not choose him
he did not choose me
we've got no chance of recovery
Sharing hospital
joy and misery
Bester Song:
Hospital Beds
12.
Beirut –
The Flying Cup Club 2007
Die ultimative Balkan/pop/folk/rock Platte des Jahrzehnts, veröffentlicht zu einer Zeit wo es auch noch nicht abgedroschen war solche Elemente in seine Musik einzubauen. Wobei Balkanelement auch eine Untertreibung wäre. Zach Condon ist die Ultimative Inkarnation des Balkanfolcks. Und dabei ist er, wie bei Flogging molly, natürlich aus Amerika. Aber auch wer damit wenig anfängt, kann sich der unglaublichen, melancholischen Schönheit von Songs wie „A Sunday smile“ oder „Nantes“ nicht entziehen. Wo das erste Album „gulag orkestar“ noch stark mit Instrumentaler Musik begeisterte verbindet der Nachfolger diese Stärke perfekt mit klassischem Songwriting. Die Nachfolge Doppel-EP bot leider nur ideenlose Mariachiklänge auf Seite 1 und billig klingende Elektronikklänge auf der 2. Auf ein Nachfolgealbum warten wir noch.
Bester Song:
Nantes
11.
Pearl Jam –
Pearl Jam 2006
Pearl Jam, die letzten Helden des Grunges, hatten im neuen Jahrzehnt vorerst nicht sehr viel zu melden. „Binaural“ (2000) & „Riot Act“ waren, keine Frage, großartige Alben mit einer großen Anzahl an unglaublichen Songs. Aber irgendwie wirkten sie etwas Ausgebrannt und Ziellos…..Man probierte neue Aufnahmetechniken aus („Binaural“), verarbeitete den schrecklichen Roskildeunfall (love boat captain) oder veröffentlichte die lange überfällige B-side Sammlung („lost dogs“). Aber erst mit „Pearl Jam“ konnten sie an „Yield“, (wahrscheinlich ihr bestes Album), anknüpfen. Großartige Balladen („parachutes“), die bei PJ eigentlich schon immer die besten Songs waren, folgten auf mitreißende Rocksongs („life wasted“). Und über allem steht die klare, rockige Produktion. Die jetzt noch viel mehr herausragt nachdem ihr neues Album „Backspacer“ einen furchtbar verwaschenen 80er Sound draufgepappt bekam. Bester Song:
Severed Hand
to be continued....