21.-22.08.09
BootBooHook-Festival.
Der erste Eindruck war sehr gut, es waren genug saubere sanitäre Anlagen vorhanden und die Wege waren kurz. Aber dann der genaue Blick: Essensstände gibt es zwar in ausreichender Variation, für Fleischfresser bleibt aber faktisch nur der Hot Dog-Stand oder der Pizzastand mit der ständig ewig langen Schlange (von Geflügel-Bio-Bratwurst mal abgesehen, denn Geflügel ist ekelhaft). Schlange ist ein gutes Stichwort, wenn man von den beiden Indoor-Bühnen spricht. Die Clubs hatten eine dem Programm durchaus angemessen Größe, jedoch war das Gelände spätestens ab 18 Uhr einfach viel, viel, viel, viel, viel, viel, viel... zu voll (abgesehen von den Backofentemperaturen, die ein Verweilen über den Zeitraum von mehr als einer halben Stunde zu einer Kräfte zehrenden Angelegenheit machten). Man konnte also nicht mal so eben von der einen zur anderen Bühne schlendern, sondern musste sich das schon genau überlegen, ob man dafür den großen Platz verlässt, denn: Auch der Platz vor der großen Bühne war zu fortgeschrittener Stunde brechend voll. Man hatte also - wenn man nicht schon zum Ende der vorangehenden Band da war - die Wahl zwischen außen stehen und wenig bis nichts sehen oder sich in die unbewegliche, unkooperative Menge zu schieben und dort mit Glück ab und zu etwas zu sehen, sich aber nicht bewegen zu können - und da, wo sich bewegt wird, ist die Bewegung ein einziges Geschiebe. 25 bis 50% weniger Publikumsmenge und es wäre sehr gut geworden. So war es okay, aber wegen der totalen Überlaufenheit absolut nicht empfehlenswert.
Zu den Bands, jeweils angesagt durch den großartigen Carsten Friedrichs. Ein Großteil des Publikums wusste das nicht zu schätzen und zerstörte seine Ansagen spätestens Samstag mit Rufen, Pfiffen oder lautem Gemurmel.
Los ging's dann mit
The Blue Sinners. 2008 hatten wir die mal in Halle als
Home of the Lame-Vorband gesehen und trotz übermäßiger Arroganz und derber Zeitüberziehung damals in guten Erinnerungen behalten. Diesmal waren sie - bis auf eine kleine, aber lustige Entgleisung in Richtung eines lärmenden Besuchers - brav und hörten sogar 10 Minuten zu früh auf. Sie klangen irgendwie poppiger als damals und erinnerten auch optisch zeitweise an Mando Diao. Nur in besser.
Danach folgten schon
The Robocop Kraus, die streckenweise unter PA-Ausfällen zu leiden hatten, was sie aber nicht daran hinderte, weiter zu spielen, denn die Monitorboxen funktionierten ja noch. Einige neue Songs haben sie gespielt, die allesamt ziemlich gut klangen. Trotzdem haben sie mich diesmal nicht so richtig rumgekriegt.
Auf den kommenden Auftritt der
Fehlfarben freute ich mich so richtig erst, als The Robocop Kraus die Bühne verließen. Der Platz war - verglichen mit den zeitgleich spielenden Tele am nächsten Tag - recht leer und recht alt. Konsequent und letztlich gut fand ich, daß sie
Ein Jahr (Es geht voran) nicht gespielt haben. Peter Hein ist aber ein komischer Kauz, irgendwie. Sympathisch, aber komisch.
Von
Tocotronic habe ich letztlich vielleicht 10 Minuten netto gesehen, weil der Platz besagterweise brechend voll und stock-im-arschig war, daß ich quasi keine Sekunde lang auch nur den geringsten Funken Freude hatte. Außerdem haben sie auch kein allzu gutes Set gespielt.
Von der
Mediengruppe Telekommander habe ich dann nur den letzten Song (
Panzer) gesehen. War besser als der gesamte Tocotronic-Auftritt. Die darauf folgenden
VETO sollten laut Programmheft wie eine Mischung aus
Radiohead und
Pink Floyd klingen. Taten sie aber nicht, weshalb wir nach anderthalb Songs gegangen sind. War eh viel zu warm. Bei
Kolkhorst war es leider auch nicht viel kühler, dafür war das Programm besser. In seine Songs baute er immer mal wieder bekannte '70er- und '80er-Songs ein (
The Passenger,
Sweet Dreams etc.), allerdings war ich wegen der Tocotronic-Sache immer noch so angepisst, daß ich keine Lust zum Tanzen hatte, sodass wir nach ein paar Minuten wegen zusätzlich fortgeschrittener Müdigkeit auch schon gegangen sind.
Vom zweiten Tag erwartete ich dementsprechend nicht viel.
Montag und
Dirk Darmstaedter haben wir uns aus dem Zelt aus angehört. Montag klangen ganz gut, bei Dirk Darmstaedter bin ich eingeschlafen. Zum letzten Song von
Fotos waren wir dann auf dem Gelände. Mehr hätte auch nicht sein müssen.
Telehatte ich bisher erst einmal gesehen und sie damals als gut, aber zu weich beurteilt. Gut waren sie diesmal auch - mehr als das sogar! -, zu weich aber glücklicherweise nicht. Bis auf
Falschrum haben sie nur einen Song gespielt, der nicht auf den letzten beiden Alben ist. Fand ich gut. Viele der
Jedes Tier-Songs kamen dann live auch endlich mal bei mir an.
Auf
Kettcar hatte ich keine Lust, wollte sie mir dann aber doch angucken, wenn ich eh schon mal da bin. Der Auftritt war ganz gut, aber das Publikum - vor allem der Teil, der wohl nicht mehr zu
Bonaparte in die Halle gekommen war und sich nun dachte, den Kettcar-Auftritt aufmischen zu müssen - nervte mich dann doch ziemlich. Immerhin wussten sie, daß es Kettcar-Lied namens
Balu gibt und daß es eine unangenehme Angewohnheit ist, diesen Songnamen so laut und so oft es geht zu brüllen. Kettcar sollten sich mal angewöhnen, das relativ am Anfang des Sets zu spielen, gibt eh viel bessere Rausschmeißer.
Amüsant fand ich dann die Dame, die meinte, sich, in der dritten bis vierten Reihe stehend, am Gitter festhalten zu müssen, weil sie sonst nach hinten (!) umfällt (!!).