Im deutschsprachigen Gebiet ist leider sehr wenig bekannt über die alternative Musikszene in Spanien. Dabei existiert seit vielen Jahren eine potente und sehr aktive Musikwelt fernab von David Bisbal und Enrique Iglesias. Ein kleiner Versuch ein bisschen Licht ins Dunkel zu bringen. Geschrieben aus Leidenschaft und aus Interesse an diesem spannenden Land, subjektiv und ohne Anspruch auf journalistische oder wissenschaftliche Vollständigkeit. Ich verzichte auf detaillierte Quellenangaben: Die Infos habe ich mir frank und frei aus der weiten Welt des Internets zusammengeklaut.
Auch ignoriere ich all die Musikschaffenden und Bands, die in Englisch singen. Nicht, weil diese schlechter wären, sondern weil es diese über den ganzen Globus verteilt gibt. Und in Spanien war es mit wenigen Ausnahmen lange Zeit unüblich in Englisch zu singen und bis heute gibt es, verglichen mit dem deutschsprachigen Raum, überdurchschnittlich viele Musikschaffende, die ihrer Muttersprache treu geblieben sind.
Wie alles begann: der erste Teil handelt von „La movida“ (die Bewegung), der grossen alternativen Kulturexplosion in der post-frankistischen Zeit. Eine sehr wichtige Epoche, um die alternative Szene Spaniens zu verstehen, denn in dieser Zeit wurden viele Weichen neu gestellt.
Capitulo 1: La movida madrileña
Während Francos Militärdiktatur war in Spanien alternatives Kulturschaffen kaum oder nur im Versteckten möglich. Es gab eine starke kulturelle Zensur und es drangen auch kaum neue Strömungen aus dem Ausland nach Spanien. Es herrschte ein kontrollierter kultureller Einheitsbrei, die alternative Kultur gab es nur im Untergrund und diese fand dadurch kaum Verbreitung.
Nach dem Tod Francos im Jahre 1975 und dem damit verbundenen Übergang Spaniens zur Demokratie hatten die Spanier auf einmal eine Menge Freiheiten, die ihnen zuvor verwehrt geblieben waren. Die Exponenten aus dem Untergrund drangen an die Oberfläche, Strömungen aus dem Ausland wie punk oder später der new wave fanden auch in Spanien offene Ohren. Dies führte in der Hauptstadt Madrid zu einer Art Gegenbewegung, die sich bis ans Ende der 80er Jahre fortsetzte: La movida madrileña.
Das Madrider Nachtleben war zu dieser Zeit sehr aktiv, nicht nur wegen den Heerscharen von jungen Leuten, die ihre neu gewonnene Freiheit in vollen Zügen auskosteten, sondern auch wegen des grossen Interesses an der alternativen Kultur bzw. an der Gegenkultur zum bisher gekannten Kulturschaffen. Und die Geburt verschiedener Indielabels (DRO, TIC TAC, Tres Cipreses etc.) erlaubte die Verbreitung einer Musik die sich massgebend vom Mainstream der grossen Plattenfirmen unterschied. So schwabte „La movida“ innert weniger Jahre auch auf andere spanische Städte und Regionen über.
Unterstützend für die Verbreitung der „Movida“ war auch der Umstand, dass zu dieser Zeit verschiedene Medien sehr offen und umfassend berichteten, was da in den Strassen, Clubs und Bars ablief. So wurde 1979 Radio 3, die dritte Kette des nationalen Radios, gegründet, welches dazumal tägliche Sendungen zur Gegenkultur brachte und bis heute ihren kulturellen Auftrag sehr ernst nimmt und ein wichtiges Sprachrohr für die alternative Kultur geblieben ist.
Weiter gab es verschiedene Musik- und Kultursendungen im Fernsehen wie „La bola de cristal“ (die Kristallkugel), „Si yo fuera presidente“ (Wenn ich Präsident wäre) usw.
Und dann gibt es da noch die famose Sendung „Caja de Ritmos“ (Rhythmusbox), welches im Vorabendprogramm ausgestrahlt wurde und am 23. April 1983 mit dem Gastauftritt von Vulpess, der ersten Girlpunkband Barcelonas, einen nationalen Skandal verursachte, der sich so ausweitete, dass der Programmdirektor zurücktreten musste und die Sendung abgesetzt wurde. Der Hintergrund: Vulpess spielten den Song Me Gusta Ser Una Zorra eine Adaption von I Wanna Be Your Dog von Iggy Pop and the Stooges mit folgendem Text:
Si tú me vienes hablando de amor, (wenn du mir von Liebe erzählst,)
qué dura es la vida, (oder wie hart das Leben ist,)
o el caballo me guía, (oder dass ich vom Heroin gesteuert sei,)
permíteme que te dé mi opinión: (erlaube mir, dass ich dir meine Meinung sage: )
mira, imbécil, que te den por culo, (schau, Doofmann, dass sie dich in den Arsch ficken,)
me gusta ser una zorra. (mir gefällt es nun mal, ein Flittchen zu sein.) usw.
Einer der wichtigsten Vertreter dieser Gegenkultur war der inzwischen weltberühmte Filmregisseur Pedro Almodóvar. Er war dazumals jedoch nicht nur als Filmemacher aktiv sondern sang auch zusammen mit seinem damaligen Freund McNamara und als Transvestit verkleidet in der gleichnamigen punk/pop-Band Almodóvar y McNamara. Sie provozierten mit ihrem Auftreten und ihren Texten die biedere bürgerliche Welt. Oft war auch ihre Homosexualität Thema in ihren Texten und so ist ihr Song Voy A Ser Mamá (Ich werde Mamma) bis heute DIE Hymne in der spanischen Gay-Community.
Einige wichtige musikalische Vertreter aus dieser aufregenden Epoche:
Gegründet 1978. Anfang der 80er traten sie als Vorgruppe bei den Spanien-Tourneen der Ramones und Siouxsie and the Banshees auf. Haben mit La chica de ayer einen der grössten spanischen 80er pop-Hits geschrieben. Die Gitarristen und Sänger Antonio Vega und Nacho García Vega starteten nach Auflösung der Band Solokarrieren. 2007 haben die zwei Nacha Pop wieder ins Leben berufen und eine Tournee gestartet. Man beachte die schönen Kleider und noch viel schöneren Frisuren (hehehe):
Gegründet 1981 in Vigo. Sie gehören zu den Mitbegründern der starken 80er Bewegung Galiziens und gaben ihre ersten Konzerte im famosen Pub „El Satchmo“, welches 1981 den jazz aufgab, um für „La movida“ eines der wichtigsten Lokale Spaniens zu werden.
punkband mit Kultstatus, nicht zuletzt wegen ihres kurzen Bestehens und dem tragischen Ende: Gegründet 1982 von Eduardo Benavente, Ana Curra und Nacho Canut (Ex-Mitglieder von Alaska y Los Pegamoides). 1983 wollte die Gruppe an ein Festival nach Zaragoza reisen und kam bei strömendem Regen mit ihrem Fahrzeug von der Strasse ab. Beim Unfall kam der gerade mal 20ig-jährige Eduardo Benavente ums Leben. Der Mythos sagt, dass die Nachricht in dem Moment das Festival erreichte, als Alaska y Dinarama, Nachfolgeband von Alaska y Los Pegamoides, ihr Konzert beendet hatte.
Bis zum Tod von Carlos Berlanga im Jahre 1990 veröffentlichten sie fünf Alben, wobei das erfolgreichste 1984 in Spanien und Südamerika über zwei Millionen mal verkauft wurde.
Die zwei verbliebenen Nacho Canut und Alaska gründeten das elektropop-Duo Fangoria mit welchem sie bis heute aktiv und äusserst erfolgreich sind.
Gegründet 1981, aufgelöst 1999. Die ersten Jahre spielten sie britisch orientierten postpunk. In späteren Jahren wechselten sie ihren Stil und gehörten zu den Mitbegründern des rock torero, rock gemischt mit spanischer folklore.
Wurden 1979 in Madrid gegründet und sind die Pioniere des spanischen elektropop im Stile von Devo, Kraftwerk oder den frühen Ultravox. 1982 gründen sie ihr eigenes Plattenlabel DRO (Discos Radioactivos Organisados) welches zu einem der wichtigsten indie-labels Spaniens werden sollte. Aviador Dro spielten in den 80ern als Vorgruppe der Stranglers und von David Bowie.
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Detrás de un nombre de discutible calidad comercial o publicitaria se esconde una de las últimas artistas que me han impresionado gratamente. Esta "cantautora" madrileña acaba de lanzar su primer album, "Nada más", 13 canciones llenas de historias sencillas y cotidianas, las suaves melodias y su tremendamente dulce voz podria cautivar a cualquier fiera que se prestara a ello. Recomiendo darse una vuelta por el magnifico disco, donde podrán encontrarse con aires de Nena Daconte, Bebe o incluso el genio Antonio Vega. Una grata sorpresa, ciertamente, esperemos que las garras del negocio -y del consumidor- no perviertan a esta artista, y pueda ofrecernos otro manojo de canciones como el primer single: Tres segundos, o: Nada Que Perder, No salgas corriendo, Tonta, etc, etc, etc. En fin, no se dejen influir por las apariencias, escuchenla y luego opinen. Les dejo su primer videoclip: "Tres segundos":