Fr., 17. Okt. – 1000 robota, Karamel
Die frechste Band Deutschlands, alias
1000 robota, alias Anton Spielmann (18), Jonas Hinnerkort (18) und Sebastian Muxfeld (17) befindet sich derzeit auf ihrer ersten umfassenden Clubtour durch unser Land. Seit 9 Tagen sind die kleinen Rotzlöffel nun schon unterwegs und lernen fein und brav das Leben eines Musikers kennen. Muxfeld und Hinnerkort switchen oftmals noch zwischen Schule und Bandleben hin und her. Anton Spielmann, der Vorlauteste von den dreien, sammelt derweilen Erfahrung mit den Leuten der Presse und mit den lieben netten Menschen vom jeweiligen Veranstalter. Habe ich lieb und nett gesagt? Laut Spielmann traf dies gestern nämlich nicht zu. Da wird spät nachts noch auf Arte in der Sendung Tracks erwähnt, dass 1000 Robota einfach mal auf die Kacke hauen und prompt wird diese These unterstützt.
1000 Robota machen Lärm, Krach, singen im Duett und bedienen sich einer einfachen Lichtshow. Stroboskop und weißes Licht, das die drei Hauptakteure immer wieder abwechselnd anleuchtet. Punkrock wie man ihn in Deutschland schon lange nicht mehr gesehen hat. Und dazu wirkt das Ganze Frechsein-Ding noch nicht mal unschlau. Wahrscheinlich wird man auf der Bühne schneller erwachsen, als wenn man nur unten vor steht. Spielmanns ständiger Hinweis auf den schlechten Ablauf der Organisation, der verspätete Beginn und das Hinzufügen einer wohl nicht geplanten Vorband im Oberhausener Druckluft ist nicht zu überhören und wird nach der dritten Zwischenansage auch jedem Teenie im Publikum klar. Das ganze weitet sich sogar dermaßen aus, das zwischen Sänger Anton Spielmann und einigen Verantwortlichen des Konzertsaales ein offenes Wortgefecht entbrannt und naja, ich will es mal glimpflich ausdrücken, es zu einigen nicht grad freundlichen Umgangstönen kommt. Ein wahres Schauspiel. Da fühlt man sich selber noch mal als Rebell und muss schon ein wenig schmunzeln. Für Spielmann ist das natürlich ein gefundenes Fressen und sein immer stärker werdendes Grinsen kann er sich kaum verkneifen.
Ihr Programm spielen 1000 Robota gekonnt runter. Punkrock a la 1000 Robota geht schnell. Deshalb ist die ganze Chose bereits nach guten 50 Minuten vorbei. Keine Zugabe, aber dafür ein heftiger Brocken Musik, der im Ohr zurückbleibt. Schnelles Schlagzeugspiel, dumpfer Bass mit gekonnt eingebauten Melodien und Spielmanns Gitarren Sound. Lieder die protestieren, klarstellen Wollen. „Was will man denn schon sagen, außer dem was man fühlt“ singen 1000 Robota in „Mein Regen“ und unterstützen damit einfach ihren Standpunkt, die Sachen in den Mund zu nehmen, die sich andere junge Bands wahrscheinlich nicht trauen. „Oh Oh“ oder „1234567“ klingen erstmal weniger anspruchsvoll, treffen aber „mitten in ihr Herz“, wenn diese Bengel einem keine Angst machen. „Mein Traum“, „Diese Brille“ und „48 Stunden“ heben sich ein wenig aus dem sehr druckvoll durchgespielten Set ab. Nicht nur Songs ihres Debüt-Albums „Du nicht er nicht sie nicht“, sondern auch Tracks aus der davor veröffentlichen EP „Hamburg brennt“ wie zum Beispiel „Wir bauen eine neue Stadt“ finden Platz im Programm. Leicht krächzend bemerkt Sänger und Gitarrist Spielmann, dass man bereits 8 Tage unterwegs und somit erste Spuren des Schreiens und Spielens sich bemerkbar machen. Prompt beschuldigt er diejenigen, die ihm den ganzen Mist eingebrockt haben. Dabei betont er, dass er niemanden verletzen will. Moment, hatte das nicht auch Marcel Reich-Ranicki beim deutschen Fernsehpreis erklärt? Vielleicht kommt es ja noch mal zu einem Gespräch der beiden Seiten 1000 Robota und Druckluft Oberhausen. Ich glaube allerdings eher nicht. Immerhin lief es nicht ganz so schlimm wie vor einigen Wochen in Remscheid, wo die Band sich mit den Worten „Wir kommen nie mehr wieder, wir hassen euch!“ verabschiedet hat. Aber gut, letztendlich sollte wirklich die Musik im Vordergrund stehen und sind nicht diejenigen am erfolgreichsten geworden, die vorlaut waren und ihre Klappe nicht halten konnten? Guck sich einer die Gallagher-Brüder an, Blackmail werden auch nicht grad als superlieb beschrieben und Ian Curtis nahm früher auch kein Blatt vor den Mund. Mal sehen was aus den drei Hamburgern wird. Musikalisch bereichern sie auf jeden Fall, haben Kraft und Ausdrucksstärke und bestimmt noch viel vor sich.
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