Liebe Spaßgesellschaft,
der Bandcontest im Darmstädter Tanzbunker, dem Steinbruch-Theater, ging gestern in seine dritte Runde. Immer noch bemühen sich zehn Bands musikalisch direkt oder beste Drittplatzierung ins Halbfinale zu spielen.
Der gestrige Abend hatte im Schwerpunktprogramm Bands mit einer härteren Gangart parat - also harte Knüpller und Brecher an Riffs. Nach reinrassigem Rock und -Coregeschrubbe durfte man dieses Mal etwas erwarten, weshalb der Laden nochmal eine Schippe mehr Besucher als vergangenen Mittwoch drauflegen konnte. Es hat sich schon längst herumgesprochen, dass eine überzeugende Performance auf der Bühne eben nur die halbe Miete ist - wer die meisten Anhänger in den Bruch zur Abstimmung mobilisieren kann, darf sich ebenso gute Chancen ausrechnen.

Durfte auch heute wieder durchs Programm führen: DJ Doom.
Erste Band des Abends:
Underkill
Um gleich jeden Verdacht zu bestätigen: Ja, diese Reportage ist ein wenig parteiisch. Meine Wenigkeit verdingte sich aushilfsweise bei
The Hammerschmidts , aus welchen sich (quasi wie
KISS aus
Wicked Lester und
Bullfrog Beer) nun Underkill entwickelten.
Das Quartett praktiziert musikalisch den
prog metal, ähnlich wie
Mastodon (v.a. auf
Blood Mountain oder gar
Opeth - natürlich sind sie da vom Können noch mehr als gefühlte zehn Autominuten entfernt. Den Lokalmatadoren aus Darmstadt kommt zugute, dass die Truppe als Erste auf die Bühne müssen - ein gutes Omen, schaffte es in diesem Wettbewerb bisher noch jede Band auf Startplatz Eins ins Semifinale.
Underkill - v.l.n.r.: David (g), Jack Daniels (dr), Flo (v,b) und Simon Steel (g)
Ihr aus fünf Songs bestehendes Programm rockt die Truppe gekonnt runter, sieht man von den üblichen Ausfällen ab - das Effektpedal hat keine Lust, und auch der Verstärker verzieht sich vorzeitig an die Fleischtheke. Und dabei haben Underkill noch Glück - Mischer und Drumkit waren bis kurz vor Auftritt noch keineswegs selbstverständlich gestellt.

Sänger Flo mobilisiert alle Stimmbänder und grölt in einer angenehmen Tonlage, die man ihm nicht zugetraut hätte. Nervosität aufgrund mangelnder Bühnen war allen anzumerken, außer Simon an der Klampfe, der schon öfters vor Publikum gezockt hat.
Tracklist:
Solidity
Judas Hole
Life Is War
Behold
und der Rausschmeißer
Power To The Crowd
Der Menge schmeckte der musikalische Cocktail jedenfalls, vereinzelt gab es sogar Headbanger, welche körperlich dem Takt folgten.
Einen Höreindruck kann man sich hier auf last.fm oder auf ihrer
Myspace-Seite machen - lohnt sich auf jeden Fall.
Zweite Band:
Amity
Im Halbdunkel des Soundchecks dachten nicht wenige zunächst: schon wieder
Mortal Existence? Ein weibliches Wesen am Mikro sowie eine mit etwas mehr Lebenserfahrung ausgestattete Band? Nein, die Wiesbadener Amity brauchen keinen Keyboarder, schlagen aber mit Heavy Prog in eine ähnliche Kerbe wie die bereits Qualifizierten.
Wohlgemerkt: ähnlich. Nicht dieselbe. Genauer betrachtet machen es Amity nicht ganz so anspruchsvoll.
Ich weiß nicht - Amity machten ihre Sachen an den Instrumenten schon ordentlich, auch die Sängerin gab ihr Bestes. Aber die dargebotenen Songs hauten mich nicht vom Hocker. Ehrlich gesagt waren die relativ eintönig und vermittelten auf mich eher den Gedanken an Hintergrundbeschallung. Eine offizielle Webrpäsenz war nicht auszumachen, die namensverwandete Metalcoreband, auf die ich mich auch eingestellt hatte, war's jedenfalls nicht. Ebensowenig wie eine musikalische Offenbarung.
Dritte Band:
Sardaukar
Der Name lässt die Vermutung zu, dass die Ortsnamen und Begriffe von Tolkiens Mittelerde noch nicht vollständig zwecks Bandname abgegrast wurden.
Cirith Ungol,
Gorgoroth,
Minas Morgul - und
Burzum. Die Odenwälder Sardaukar haben sich allerdings nach einer Gruppierung aus Frank Herbert's
Dune benannt. Und ihren eigenen Arzt haben sie auch mitgebracht.
Kopfnicken bis der Arzt kommt - Sardaukar
Der Fünfer lässt sich musikalisch am besten in Richtung
brutal death metal einordnen,
Debauchery,
Cannibal Corpse und Co. lassen grüßen. Endlich eine Band, welche die derbe Keule auspackt. Die Zuschauer wussten dies zu goutieren:

This hair was made for banging
Mit dem bis dato dichtesten Gedränge vor der Bühne sowie lautesten Beifall empfehlen sich die Odenwälder mit ihrem selbst betitelten Gorecore fürs Weiterkommen. Wer mehr sehen und hören will, der kann das
hier.
Vierte Band:
New Blast Chaos
Als heißestes Eisen fürs Weiterkommen werden die Mainzer
New Blast Chaos gehandelt - ihre Hörproben auf
Myspace jedenfalls hinterließen einen starken Eindruck.
Hardcore mit Technical Death Einschlag steht da auf der Brust, und der Sänger Vogo sieht auch so aus, als würde er es damit ernst meinen:
Tigerente: Nebenberuf
Mit ordentlichem Einsatz und growligem Organ gibt der Frontmann alles und verlässt als Erster des Abends die Bühne um das Publikum Auge in Auge zu beschallen. Weiter hinten hörte sich das Dargebotene allerdings nicht so prickelnd an - technisch und qualitativ liefern New Blast Chaos zwar die beste Vorstellung ab, nur war der Musikstil nicht jedermanns Sache. Mir persönlich war es zu wenig Gefrickel und ordentliches Gegniedel an der Gitarre, um das Technical zu rechtfertigen. Besser als Amity war die Show jedoch allemal. Und auch als das was nach ihnen die Bühne betritt.
Letzte Band:
Set a Seed
Die Heppenheimer gaben mir von Anfang an dasselbe Gefühl, welches mir auch
Crystal Finch (raus in Durchgang 1) und
The Green River Burial (Abflug in Durchgang 2) - nämlich dass man alles irgendwie schon mal woanders gehört hat, und das obendrein auch besser. Bei so einer Veranstaltung allerdings auch nichts, was man sonderlich bemängeln sollte. Set A Seed praktizieren Metal mit Alternative Einschlag, und mehr als eine an bekanntere Töne angelehnte Passagen ließ sich auch herausfiltern.
Set A Seed
Mir jedenfalls sagte das nicht zu - schade, der erste Eindruck auf ihrer
Website ließ mehr erhoffen. Selbst ohne Underkill, welche meiner Unterstützung bekommen, hätten sich Set A Seed hinter Sardaukar und New Blast Chaos eingeordnet.
Auf den Stimmzettel landeten bei mir nach Underkill die Odenwälder Sardaukar, Letztere sah ich auch sicher in der zweiten Runde.
DAS URTEIL
Bei der bislang höchsten Stimmteilnahme gab es keine wirklichen Überraschungen.
Amity (30 Punkte) und
Set a Seed (35) belegen die Plätze fünf und vier, hätten damit bestenfalls noch Chancen als etwaige Nachrücker (was extremst gering wäre).
Mit 55 Punkten landen
New Blast Chaos auf dem Bronzetreppchen. Weil sie im direkten Vergleich mehr Stimmen abgreifen konnten als
Lykewake (41) letzte Woche, sind sie ebenfalls sicher im Halbfinale.
Beifall ernteten die beiden direkt Qualifizierten: Sardaukar kam auf 81 Punkte und fährt die bis dahin höchste Punkzahl der drei bisher absolvierten Vorrunden ein.
Underkill folgen ihnen mit 62 Stimmen. Glückwunsch den Weitergekommenen!
Damit stehen bereits folgende Teilnehmer für die Halbfinals fest:
1.Halbfinale (13.11.)
Bläuen Szöök
Bionic Ghost Kids
Underkill
2. Halbfinale (20.11.)
Mortal Existence
Out Of Damage
Sardaukar
Dazu wird noch ganz sicher verteilt:
New Blast Chaos
Chancen aufs Weiterkommen als einer der beiden besten Drittplatzierten:
Lykewake - 41 Punkte.
Den Abschluss der Vorrunde gibt es nächste Woche, mit Namensverrenkungen wie
The Hellavator oder
Perditions Departure .