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- was zum Teufel will uns das OPEN OHR damit sagen?
Es geht um Glaube. Es geht um Religion. Es geht um Weltanschauung. Schön und gut. Aber was steckt dahinter? Oder wer steckt dahinter? Und warum sind wir hier?
Jeder Mensch hat sich schon einmal Gedanken über den Sinn seines Daseins und darüber, was nach seinem Tod passieren könnte, gemacht. Über das ganze Leben hinweg errichtet er sich seine ganz persönliche Sinnkonstruktion, nach der Denken, Leben und Handeln, Gerechtigkeitsgefühl und Gewissen ausgerichtet werden. JedeR hat also einen Glauben, um Halt im Leben zu finden und der Ungewissheit des Todes den Schrecken zu nehmen.
„Was kommt danach?“ ist sicherlich auch die zentrale Frage gewesen, die dazu führte, dass sich die vielen Religionsgemeinschaften auf der ganzen Welt entwickeln konnten. Sie alle sind vereint durch ein System von Regeln, das in ihren heiligen Schriften, Geschichten, Ritualen und Traditionen festgehalten ist. Konsens: Wer sich im Leben korrekt verhält, erwirbt dadurch die Eintrittskarte für einen besseren Zustand nach dem Tod.
Viele finden ihre Antwort in der Existenz eines Gottes, der alles erschaffen hat und am Lebensende über jeden Menschen ein Urteil fällt. Die Vorstellungen von der Wesenheit dieses Gottes gehen dabei auseinander. Man kann sich einen Gott in menschlicher Gestalt oder als eine höhere Macht, die in allen Dingen steckt, vorstellen, aber auch seine eigenen höchsten Werte und Ziele als Gott bezeichnen. Wer an keinen Gott glaubt, tut dies auch bewusst und ist somit ebenfalls gläubig. Eine weitere Möglichkeit ist es, sich die Rosinen aus unterschiedlichen Religionen heraus zu picken und zu einem individuellen Mix zusammen zu fügen. Ob Buddhismus, Islam, Christentum oder Fliegendes Spaghettimonster: was unterscheidet eine Weltanschauung von der anderen, weshalb fühle ich mich eher der einen als der anderen zugehörig?
Für viele Menschen verleihen erst Gott und Glaube dem irdischen Leben einen Sinn und bestimmen maßgeblich ihren Alltag, positiv wie negativ.
Ein Glaube kann Ängste vor Leid und Schmerz, Tod, Verlust oder Bedeutungslosigkeit nehmen. Er kann jedoch auch neue Ängste erzeugen und Menschen gegenüber Andersgläubigen skeptisch oder intolerant machen. Denn der feste Glaube an einen bestimmten Lebenssinn bringt es mit sich, dass es neben der eigenen Überzeugung keine andere „wahre Religion“ gibt. Nicht umsonst sind die meisten aller Kriege aus religiösen Konflikten entstanden.
Wer daran glaubt, dass das Schicksal der Menschen von einem allmächtigen Gott vorher bestimmt wird, braucht sich für seine Taten nicht mehr verantwortlich zu fühlen. In diesem Sinne finden Gott & Co. auch fatale Folgen menschlicher Entscheidungen wie Klimawandel, Seuchen oder Kriege offensichtlich angebracht.
Wie Gott und Glaube medial aufbereitet werden können, zeigt ein Blick auf Bestsellerlisten oder auf sich überall anbietende religiöse Role-Models. Madonna, Richard Gere oder Hape Kerkeling verbreiten persönliche Glaubensanleitungen, der Dalai Lama füllt Stadien, Benedikt XVI bringt Köln zum Überlaufen. Mit 1,1 Millionen teilnehmenden Gläubigen fand auf dem katholischen Weltjugendtag 2005 die bis dahin größte Messe Deutschlands statt. Der Besuch Benedettos wurde von großen Begeisterungsstürmen und einer beispiellosen Aufmerksamkeit der Medien begleitet, während sein Konterfei von zahlreichen Merchandise-Artikeln prangte. Ob dabei das Interesse der Jugend an Religion und Kirche ungebrochen ist, weiß Gott allein. Der Papst – ein Pop(e)star? Dass bei einer derartigen Massenveranstaltung auch veraltete und überholte Wertesysteme mit propagiert werden, darf nicht ohne Misstrauen beobachtet werden.
Was macht Glaube für Jugendliche attraktiv? Führt sie die Suche nach Halt in ihrem Leben wieder vermehrt zur Spiritualität?
Die Leistungsgesellschaft des 21. Jahrhunderts gibt jungen Menschen immer weniger Raum für persönliche Entfaltung und die Aussicht auf Selbstbestimmung. Zudem ist die Welt in ihrer globalisierten Vielfalt so unübersichtlich geworden, dass es für das Individuum immer schwieriger wird, einen Platz für sich in der Gesellschaft zu finden.
Bringt die erneute Zuwendung zu traditionellen Institutionen wie Kirchen mit sich, dass konservative Werte und Lebensformen wieder als attraktive Alternativen erscheinen, an denen man sich orientieren kann?
Aber ist es wirklich die Suche nach Gott und Religion, oder doch eher das generell menschliche Verlangen nach Zugehörigkeit, Verständigung, Versöhnung, Friede und Liebe, das eine so große Anzahl von Menschen dazu treibt, gemeinsam ihren Glauben zu zelebrieren? Dieser ist Gegengewicht zu den unchristlichen „Werten“, die vom Kapitalismus groß gezogen wurden, wie Gier, Macht, Ausbeutung, Korruption auf der einen, Selbstaufgabe für materielles Gut auf der anderen Seite.
Für viele Menschen verleihen erst Gott und Glaube dem irdischen Leben einen Sinn und bestimmen maßgeblich ihren Alltag, positiv wie negativ.
Ein Glaube kann Ängste vor Leid und Schmerz, Tod, Verlust oder Bedeutungslosigkeit nehmen. Er kann jedoch auch neue Ängste erzeugen und Menschen gegenüber Andersgläubigen skeptisch oder intolerant machen. Denn der feste Glaube an einen bestimmten Lebenssinn bringt es mit sich, dass es neben der eigenen Überzeugung keine andere „wahre Religion“ gibt. Nicht umsonst sind die meisten aller Kriege aus religiösen Konflikten entstanden.
Wer daran glaubt, dass das Schicksal der Menschen von einem allmächtigen Gott vorher bestimmt wird, braucht sich für seine Taten nicht mehr verantwortlich zu fühlen. In diesem Sinne finden Gott & Co. auch fatale Folgen menschlicher Entscheidungen wie Klimawandel, Seuchen oder Kriege offensichtlich angebracht.
Wie Gott und Glaube medial aufbereitet werden können, zeigt ein Blick auf Bestsellerlisten oder auf sich überall anbietende religiöse Role-Models. Madonna, Richard Gere oder Hape Kerkeling verbreiten persönliche Glaubensanleitungen, der Dalai Lama füllt Stadien, Benedikt XVI bringt Köln zum Überlaufen. Mit 1,1 Millionen teilnehmenden Gläubigen fand auf dem katholischen Weltjugendtag 2005 die bis dahin größte Messe Deutschlands statt. Der Besuch Benedettos wurde von großen Begeisterungsstürmen und einer beispiellosen Aufmerksamkeit der Medien begleitet, während sein Konterfei von zahlreichen Merchandise-Artikeln prangte. Ob dabei das Interesse der Jugend an Religion und Kirche ungebrochen ist, weiß Gott allein. Der Papst – ein Pop(e)star? Dass bei einer derartigen Massenveranstaltung auch veraltete und überholte Wertesysteme mit propagiert werden, darf nicht ohne Misstrauen beobachtet werden.
Was macht Glaube für Jugendliche attraktiv? Führt sie die Suche nach Halt in ihrem Leben wieder vermehrt zur Spiritualität?
Die Leistungsgesellschaft des 21. Jahrhunderts gibt jungen Menschen immer weniger Raum für persönliche Entfaltung und die Aussicht auf Selbstbestimmung. Zudem ist die Welt in ihrer globalisierten Vielfalt so unübersichtlich geworden, dass es für das Individuum immer schwieriger wird, einen Platz für sich in der Gesellschaft zu finden.
Bringt die erneute Zuwendung zu traditionellen Institutionen wie Kirchen mit sich, dass konservative Werte und Lebensformen wieder als attraktive Alternativen erscheinen, an denen man sich orientieren kann?
Aber ist es wirklich die Suche nach Gott und Religion, oder doch eher das generell menschliche Verlangen nach Zugehörigkeit, Verständigung, Versöhnung, Friede und Liebe, das eine so große Anzahl von Menschen dazu treibt, gemeinsam ihren Glauben zu zelebrieren? Dieser ist Gegengewicht zu den unchristlichen „Werten“, die vom Kapitalismus groß gezogen wurden, wie Gier, Macht, Ausbeutung, Korruption auf der einen, Selbstaufgabe für materielles Gut auf der anderen Seite.
Kirchen und Religionen erscheinen uns als uralte und tradierte Institutionen. Dabei ist es jedoch interessant, dass die frühesten Glaubensformen weibliche Gottheiten verehrten und ihre Gebete an die Fruchtbarkeit der Erde richteten. Die Glaubensrichtungen der späteren Zivilisationen bauten zunehmend auf patriarchalen Machtgefügen und Hierarchien auf, was sich deutlich in den heiligen Schriften der großen Weltreligionen widerspiegelt. Dadurch konnte insbesondere der institutionalisierte Glaube immer wieder als Rechtfertigung für das mehr als 5000 Jahre alte Bild des Mannes als Herrscherideal herhalten. Somit sind auch die großen Religionen analog dazu von männlichen Machtstrukturen bestimmt. Gleichzeitig nimmt sie für sich in Anspruch, Gebote und Verhaltensnormen insbesondere in Bezug auf Geschlechterrollen aufzustellen (z. B. die Fixierung auf die heterosexuelle Ehe als einzig legitime Form des Zusammenlebens).
Die fundamentalistische Auslegung religiöser Texte widerspricht ihren eigenen Werten, da sie den Menschen eigentlich als ein besonders zu achtendes Wesen ansieht. Das amerikanisch-fundamentalistische Christentum befürwortet die Todesstrafe. Schließlich steht in der Bibel “Auge um Auge…”. In fundamentalistisch-islamischen Organisationen wird der Koran sogar so ausgelegt, dass alle Andersgläubigen sterben sollen. Beim Betrachten der Weltgeschichte fällt auf: von den Kreuzzügen bis Nordirland oder Gazastreifen sind Religion und die zugehörigen Kirchen oft die Auslöser und üben auch auf heutige Gesellschaften und Politik immer noch (oder auch zunehmend wieder) einen großen Einfluss aus. Nur wieso erschaffen sie Konflikte?
Religionsgemeinschaften sind autoritär organisierte Systeme, die häufig ihre Anhänger in Angst versetzen – unter anderem auch Angst vor Fremdem. Insofern kann Religion einschüchternd sein und vom selbstständigen Denken abhalten. Sollten wir nicht aus der Geschichte lernen und uns endlich ein friedlicheres Weltbild und Wertesystem erschaffen? Geht man nun von der christlichen Lehre der Nächstenliebe aus, so leben wir in recht unchristlichen Zeiten.
Ohne Glaube keine Werte und kein Antrieb, sich an grundlegende kollektive Moralvorstellungen zu halten. Es hat den Anschein, dass ein Zusammenleben ohne diese Glaubensschnittpunkte unmöglich ist, was z.B. in Deutschland mit dem ideologischen Begriff „Leitkultur“ gefördert wird. Aber es ergibt keinen Sinn, Anderen einen Glauben aufzwingen zu wollen, solange noch niemand ein Instrument erfunden hat, mit dem Wahrheitsgehalt oder Intensität eines Glaubens gemessen werden können. Somit kann kein Glaube als richtig oder falsch betrachtet werden. Was für unseren Kulturkreis messbar bleibt: Ohne die christliche Kirche wäre unsere heutige Kultur nicht da, wo sie jetzt steht. Ob sie besser oder schlechter da stünde, bleibt Spekulation, denn Religion ist ein Moral- und Wertesystem, das Identität und Kultur stiftet, dadurch aber Andere ausgrenzt und mitunter auch diskriminiert.
Wer mit diesem System nicht leben kann oder will, kann seinem Leben auch ohne Religion einen Sinn geben. Gerechtigkeit und moralisches Verhalten müssen nicht religiös motiviert sein. Humanistische Philosophen haben immer einen Kodex gefunden, der nicht durch Gottesglauben legitimiert wird und doch zwingend moralische Gesinnung fordert. Kirchen aller Glaubensrichtungen fordern von den Gläubigen Frömmigkeit, das heißt aus Zwang moralisch richtig zu handeln – jedoch, wäre es nicht irgendwie schöner, edler für die Menschheit, dies aus freien Stücken zu tun? Doch wie kommen wir zu der Idee eines Freien Willens? Ist seine Geschichte und die der Moral nach den Vorstellungen Kants wiederum eine christlich geprägte Kultur? Und woher kommt das Christentum? Es ist eine Sekte des Judentums. Zwar anerkannt und in unserer Gesellschaft fest verwurzelt, aber Sekte bleibt Sekte.
Vielleicht wird ja das OPEN OHR die nächste Weltreligion. Seine JüngerInnen und ProphetInnen beten es jetzt schon an. Und wer sagt denn, dass in 2000 Jahren nicht die Zeitrechnung „n.Ohr“ gilt? In diesem Sinne wünschen wir euch vier Tage Erleuchtung und Spaß im Jahre 35 n.Ohr.
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